"Bedingungen der Aufführung" - Stipendiatenprogramm der Kunststiftung NRW gestartet
Seit ihrer Gründung vor bald 20 Jahren liegt eine wesentliche Aufgabe der Kunststiftung NRW in der Förderung des besonders begabten künstlerischen Nachwuchses: z. B. durch Arbeitsstipendien, Artist-in-Residence Programme, Musikakademien oder Katalogförderungen für die bildende Kunst, für die Musik, darstellende Kunst und die Literatur. Um den Dialog mit und unter den ehemaligen und aktuellen Stipendiatinnen und Stipendiaten einzuleiten bzw. zu verstärken, initiierte die Kunststiftung im Herbst 2007 eine Arbeitsgruppe aus acht in früheren Jahren Geförderten, den so genannten Paten. Katharina Grosse (Malerei), Jörg Sasse (Fotografie), Mischa Kuball (Medienkunst), Manos Tsangaris (Komposition) , Carola Bauckholt (Komposition), Hans Lüdemann (Jazz), Thomas Oesterdiekhoff (Musikmanagment), Stephanie Thiersch (Choreografie) und Stefan Weidner (Literatur) trafen sich im Düsseldorfer Haus der Stiftungen, später in verschiedenen Ateliers und Studios, um ein gemeinsames Thema und entsprechende Leitlinien für ein "Alumni"- Programm zu finden: z.B. interdisziplinäres Arbeiten, die unmittelbare Berührung mit dem künstlerischen Werk, die inhaltliche Auseinandersetzung und schließlich die jungen Talente im Mittelpunkt einer Veranstaltung. Das Thema, unter dem sich die Kunstsparten wiederfinden konnten, hieß: "Bedingungen der Aufführung".
Am 25. bzw. 26. Oktober 2008 lud die Kunststiftung NRW die aktuellen und ehemaligen Stipendiatinnen und Stipendiaten in die Räume des Kölnischen Kunstvereins ein, wo die erste Veranstaltung in Form eines Künstlersymposiums stattfand. Grundidee des Symposiums: die Paten laden junge Nachwuchskünstler ein, zu dem Hauptthema eine Arbeit beizutragen, die im Gespräch zwischen Paten und Künstlern dem Auditorium vorgestellt und anschließend gemeinsam diskutiert wird.
Die Veranstaltung war nicht-öffentlich, um den Künstlern Gelegenheit zu ungestörtem Austausch zu geben. Das war vermutlich auch der Grund für die einzigartige Atmosphäre: ernsthaft und voller Engagement. Insgesamt 15 individuelle Präsentationen wurden intensiv diskutiert. In der lebhaften Abschlussdiskussion am Sonntagabend wurde von allen Seiten die Fortsetzung dieses so künstlernahen Stipendiatenprogramms gefordert.
Am Eröffnungsabend führte die neuseeländische Tänzerin und Choreographin Kate Mcintosh die Tanzperformance "Loose Promise" auf. Der Sonntag begann mit einer Schlagzeugperformance der Komponistin Beste Aydin, darauf folgte die Vorstellung eines Wandreliefs von Yvonne Roeb und anschließend einer Fotografie von Manuela Barczewski. Stefan Schneider führte ein Gespräch auf Leitern. Für zwei Orgelpfeifen, Violine und Cello komponierte Peter Jakober ein Stück, Steffen Krebber analysierte in einer Installation die neurophysiologischen Bedingungen der Wahrnehmung. Johanna Reich zeigte eine Videoperformance, Jens Ullrich reinszenierte die Wiederaufführung des Films "Zirkus" von Alexander Calder. Simon Rummel und In-Jung Jun bewegten sich inmitten einer Vielzahl nachgebauter Spinett-Beine, auf denen vom Publikum zu manipulierende Lautsprecher lagen. Jürgen Brôcan erzählte von den Schwierigkeiten der Literaten einen Verlag zu finden. Christl Mudrak entgrenzte in einer Malerei-Installation das herkömmliche Bildformat, während Christian Jendreiko drei jungen Musikern die Anweisung gab, den Ton während des Musizierens zu negieren. Schließlich beendete eine musiktheatralische Aufführung von Rodrigo López Klingenfuss das Künstlersymposium.
