Frauen und Fiktion: (save me) not


Foto: Isabel Machado Rios



Kennen Sie die Erzählung über das „Fräulein in Not“? Bestimmt! Denn sie ist überall: ob in der griechischen Mythologie, im Kino oder in Computerspielen. Eine schöne, junge Frau wird von einem Ungeheuer oder Bösewicht entführt und es bedarf eines männlichen Helden, um sie zu retten. Ob als Andromeda, Rapunzel, die weiße Frau aus King Kong, als Princess Peach oder Zelda – die Erzählung der hilflosen Frau ist tief verankert in unserer Gesellschaft. Und sie hat Auswirkungen auf unsere Selbstwahrnehmung und unser Handeln. „(save me) not“ stellt sich mit Humor dem Mythos, dass Frauen das von Natur aus schwächere Geschlecht seien. Auf Basis von Interviews mit (Kampf-)Sportlerinnen, Selbstverteidigungslehrerinnen, Sozialarbeiterinnen und vielen anderen starken Frauen aus Oberhausen und ganz Deutschland, die Gewalt erlebt und bewältigt haben, entsteht eine Geschichte über wehrhaftes Handeln. Das „Fräulein in Not“ ist die Endgegnerin in einer feministischen Auseinandersetzung über Gewalt, Opfer- und Täterrollen, aus der eine Heldin hervorgeht. Rette mich nicht! Wir retten uns!


Frauen und Fiktion (Anja Kerschkewicz, Eva Kessler, Felina Levits, Paula Reissig) forschen seit 2014 als interdisziplinäres Team an der Schnittstelle zwischen Theorie und Praxis, um neue Räume für Gedankenexperimente zum Thema Frau-Sein zu eröffnen. Die künstlerische Praxis basiert auf dem Rohmaterial aus intensiven Recherche-Prozessen, das fokussiert, neu verknüpft und in einem außergewöhnlichen Hör- und Bildraum gesetzt wird. Mit dem Thema „Frauen und Gewalt“ setzt sich das Kollektiv schon seit längerer Zeit auseinander. In ihrer letzten Performance „You Are A Weapon!“ portraitierten sie Angreiferinnen, die sie durch Interviews und Trainings kennenlernten, zum Beispiel eine Kneipenwirtin, eine Anti-Aggressionstrainerin, eine MMA-Kämpferin. Zuletzt konnten sich Teilnehmer*innen des Feministischen Minifestivals „Bewegung als Widerstand“ am Theater Oberhausen in einem Workshop gemeinsam mit Frauen und Fiktion und einer Selbstverteidigungs-Trainerin selbst als Angreiferinnen ausprobieren.


Text: Theater Oberhausen



Mit:


Shari Asha Crosson
Elisabeth Hoppe
Philipp Joy Reinhardt


Regie:


Frauen und Fiktion


Bühnenbild:


Luisa Wandschneider


Kostümbild:


Felina Levits


Musik:


Lina Krüger / Jonas Mahari


Video:


Paula Reissig


Dramaturgie:


Hannah Saar




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