Daniel Steegmann Mangrané,
Kunsthalle Münster


Foto: Daniel Steegmann Mangrané, Dog Eye.



„Dog Eye“ – am Anfang der Ausstellung von Daniel Steegmann Mangrané steht das Auge eines Hundes, das eine Metamorphose durchlaufen hat; es ist zu einer geometrischen Form geworden, deren Ursprung sich nur mehr erahnen lässt. Der intensive Blick des Tieres ist nicht mehr greifbar. Durch den Eingriff des Künstlers entzieht er sich, wird aufgebrochen und ist in unterschiedliche Richtungen zerstreut – fast geisterhaft wirkt die Präsenz des Tieres.

Mit „Dog Eye“ zeigt die Kunsthalle Münster die erste Einzelausstellung des in Brasilien lebenden Künstlers in einer deutschen Institution. Seine Werke – darunter Installationen, Filme, Soundarbeiten, Fotografien, Zeichnungen, Hologramme und Skulpturen – zeichnen sich durch einen poetischen Ansatz aus, bei dem sich geometrische und abstrakte Formen mit natürlichen Elementen überschneiden: Äste, Blätter, Insekten und jüngst auch Hunde fungieren als integrale Bestandteile der Werke von Daniel Steegmann Mangrané. Er kreiert ein Gefüge, das uns dazu veranlasst, unsere Position in der Welt und damit auch unsere Haltung zu unserer Umwelt zu befragen. Dabei gilt es, die vorherrschende westliche Wahrnehmung, die auf einem binären Denken von Subjekt und Objekt, Natur und Kultur beruht, zu überdenken. Seine künstlerische Praxis zeigt sich u. a. geprägt von der Philosophie des brasilianischen Anthropologen Eduardo Viveiros de Castro (geb. 1951). Neben der Idee des „dekolonisierenden Denkens“ ist dieser für seine Vorstellung eines multinaturalistischen Perspektivismus bekannt, der auf dem Glauben der indigenen Bevölkerung Amerikas beruht, dass alles menschlich oder animistisch ist. Daniel Steegmann Mangrané sucht in seinen Werken nach einem visuellen Ausdruck für diese Gedanken.

Die Ausstellung in der Kunsthalle Münster bringt neuere und ältere Werke des Künstlers zusammen; zentral sind dabei die beiden filmischen Arbeiten „Fog Dog“ (2019/2020) und „Phasmides“ (2012), um die herum sich ein Netzwerk aus Werken unterschiedlicher Medien entspinnt. Dabei verdeutlicht die Zusammenschau seiner Werke sein Interesse an unterschiedlichen Möglichkeiten der Wahrnehmung. Darüber hinaus misst Daniel Steegmann Mangrané, beeinflusst durch den Neo-Konkretismus – eine Bewegung, die zwischen den späten 1950er und frühen 1960er Jahren in Brasilien aufkam –, dem Format der Ausstellung noch eine weitere Bedeutung bei: die unmittelbare körperliche Erfahrung der Rezipient*innen, die historisch einem Prozess der Demokratisierung der Kunsterfahrung beschreibt.


Die Ausstellung wurde kuratiert von Merle Radtke, Assistenz Franca Zitta, und gefördert von der Kunststiftung NRW.


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Daniel Steegmann Mangrané (geb. 1977 in Barcelona) lebt und arbeitet seit 2004 in Rio de Janeiro. In seinen Werken denkt er durch bzw. mit der Form, dazu nutzt er die Diversität von Fotografie, Zeichnung, Skulptur, Sound, Installation, Hologramm und Film. Zugleich finden sich zahlreiche Verweise auf die Tradition der geometrischen Abstraktion der Vertreter*innen des Neo-Konkretismus wie Hélio Oiticica und Lygia Clark, deren wegweisende Arbeiten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts das reine Betrachten durch eine vollständiges körperliches Involviertsein der Betrachter*innen ablösten. Die Arbeiten von Daniel Steegmann Mangrané wurden international in Einzel- und Gruppenausstellungen in zahlreichen Institutionen gezeigt, darunter Pirelli HangarBicocca, Mailand (2019), Nottingham Contemporary (2019), das Institut d’Art Contemporain, Villeurbanne/Rhône-Alpes (2019), das CCS Bard College, New York (2018), die Fundação de Serralves, Porto (2017), die 14. Lyon Biennale (2017), die 9. Berlin Biennale (2016), die New Museum Triennial, New York (2015), das Museu de Arte Moderna, Rio de Janeiro (2015), das CRAC Alsace Centre Rhénan d’Art Contemporain, Altkirch (2014), die Casa França-Brasil, Rio de Janeiro (2013), die 9. Mercosul Biennale, Porto Alegre (2013) und die 30. São Paulo Biennale (2012).



 

Daniel Steegmann Mangrané

Dog Eye

13. September bis 22. November 2020


Kunsthalle Münster

Hafenweg 28

5. Stock

48155 Münster