Sharon Ya'ari, Kunstmuseen Krefeld


Sharon Ya'ari, Private Courtyard, 2019, Courtesy the artist, Sommer Contemporary Art, Tel-Aviv, Zurich, Martin Janda Galerie, Wien.



Die Kunstmuseen Krefeld zeigen die erste Einzelausstellung des israelischen Fotografen Sharon Ya'ari in Deutschland: Ya'ari hat für Haus Esters eine Schau in Auseinandersetzung mit der Atmosphäre und Ideengeschichte des Ortes entwickelt. Ausgangspunkt seiner fotografischen Spurensuche ist das Erbe der modernistischen Formensprache in Israel, die damit verknüpfte gesellschaftliche Vision und ihre Konfrontation mit einer konfliktreichen Alltagsrealität. Es geht Ya'ari weniger um die Perspektive der Architekturfotografie, als vielmehr um Beobachtungen des Beiläufigen, um Relikte des täglichen Lebens, die Verfall und Vergänglichkeit unterworfen sind: Häufig sucht der Künstler Orte auf, die reich an Geschichte sind und den Kontrast zwischen gebauter Vision und Alltagsleben brisant zutage treten lassen. Der Blick der Kamera entlarvt im scheinbar Trivialen und Zufälligen das Politische, stößt Reflektionen über Zeit, Erinnerung und gesellschaftliche Zustände an. Den Kern der Ausstellung bildet eine vielteilige Serie aus Fotografien, einem großformatigen Künstlerbuch sowie skulpturalen Elementen, die Sharon Ya'ari einem öffentlichen Platz in der Wüstenstadt Be‘er Scheva im Süden Israels gewidmet hat. Seit Jahren kehrt er immer wieder an diesen Ort zurück, dokumentiert seine Veränderungen, die Versuche der Wiederbelebung und Nutzung, die Zeichen des Verfalls über einen langen Zeitraum hinweg.



Sharon Ya'ari (geb. 1966, lebt und arbeitet in Tel Aviv, lehrt an der Bezalel Academy for Art and Design in Jerusalem) zählt zu den renommiertesten israelischen Künstlern seiner Generation. Seine Arbeit zeichnet sich durch eine ebenso präzise wie vielseitige Nutzung des fotografischen Mediums aus, das er als Mittel der kulturellen und politischen Recherche versteht. Er hatte zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen weltweit, darunter Tel Aviv Museum of Art (IL), National Gallery Museum, Vilnius (LT), Kunsthaus Baselland, Basel (CH), Drexler University Art Gallery, Philadelphia (US), National Gallery of Modern Art, New Delhi (India), Camera Austria, Graz (A), Israel Museum, Jerusalem (IL) u.v.m. 2018 erhielt er den Emet Prize for Arts, Science and Culture, der in Israel für wissenschaftliche oder künstlerische Leistungen mit weitreichenden gesellschaftlichen Auswirkungen vergeben wird.


Kuratorin: Magdalena Holzhey, Text: Kunstmuseen Krefeld



Magdalena Holzhey, Kunstmuseen Krefeld, im Gespräch mit Sandra Franz, Leiterin NS Dokumentationsstelle Krefeld: Videos zur Ausstellung >>



Sharon Ya'ari, Arad, Color Index, 2019, Courtesy the artist, Sommer Contemporary Art, Tel Aviv, Zurich, Martin Janda Galerie, Wien.



Sharon Ya'ari, Sea Promenade, 2019, Courtesy the artist, Sommer Contemporary Art, Tel Aviv, Zurich, Martin Janda Galerie, Wien.