Walid Raad – I long to meet the masses once again
Kunst-Station Sankt Peter, Köln


I long to meet the masses once again XVII, 2019/2020 © Michal Zietek / Walid Raad. Courtesy of the artist and Sfeir-Semler Gallery Beirut/Hamburg.                                           



Für seine Einzelausstellung I long to meet the masses once again hat Walid Raad eine ortsspezifische Installation für die Kunst-Station Sankt Peter konzipiert. Im Angesicht der weltweiten Pandemie und der nach wie vor geltenden Reise- und Kontaktbeschränkungen erscheint dieser bereits Anfang des Jahres abgestimmte Titel fast wie die prophetische Formulierung eines Wunsches, der nun bei vielen allgegenwärtig geworden ist.

Die Installation besteht aus zwei monumentalen, freistehenden Skulpturen, die aus Kunsttransportkisten zusammengesetzt sind, und ihrer begleitenden Erzählung. Sie werden im spätgotischen Kirchenraum von Sankt Peter mit einer neuen Arbeit Walid Raads gezeigt, mit der der Künstler dem Aufruf der neuen Ausstellungsreihe „Replace Rubens“ gefolgt ist.

Walid Raads zentrale konzeptuelle Kategorien sind Gewalt, Imagination, Geschichte (bzw. Geschichtsschreibung) und Fotografie. Seine Werke beschäftigen sich immer mit Kontinuum und Bruch individueller und kollektiver Erinnerung; ebenso wie mit den Auswirkungen von Gewalt auf Geist, Körper, Tradition und Kunst; dem materiellen und immateriellen Austausch zwischen Orient und Okzident und der Geschichte der arabischen, islamischen und zeitgenössischen Kunst. Auch in den Arbeiten in der Kunst-Station Sankt Peter Köln sind dies die Grundlagen einer umfassenden Erzählung, die der Künstler eng mit dem spezifischen Ort verwebt.

Angesichts der gegenwärtigen, oftmals erstickend wirkenden und polarisierenden politischen Strömungen und vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie kann Walid Raads Intervention in Sankt Peter als Aufforderung gelesen werden, jenseits von scheinbar eindeutigen Gegensätzen und vermeintlichen Gewissheiten zu blicken – hinter, neben, um und durch sie hindurch. I long to meet the masses once again ist ein starkes Plädoyer, die seit jeher existierenden verbindenden Formen und Konzepte zwischen Ost und West, Nord und Süd, Weiß und Schwarz, Christen und Muslimen, Menschen und Tieren, Gesunden und Kranken, Lebenden und Toten, genauer zu betrachten, zu befragen und zu überdenken.


Die Präsentation in der Kunst-Station St. Peter in Köln wird kuratiert von Friederike Schuler.

Text: Kunst-Station Sankt Peter



I long to meet the masses once again, 2020 Kunst-Station Sankt Peter Köln Photo: Christopher Clem Franken, © Walid Raad. Courtesy of the artist and Sfeir-Semler Gallery Beirut/Hamburg.

 

Walid Raad (geb. 1967, Chbanieh im Libanon) lebt und arbeitet in Medusa, NY, USA.
1996 University of Rochester, Ph.D. in Cultural and Visual Studies, Rochester, NY, USA.
Seit 2002 Professur an The Cooper Union, The School of Art, New York, NY, USA.

Er war 2006 und 2008 Jurymitglied für den Nam June Paik Award – Medienkunstpreis der Kunststiftung NRW.

Zu Walid Raads Werk gehört The Atlas Group (1989–2004), ein Projekt über die zeitgenössische Geschichte des Libanon; außerdem die andauernden Projekte Scratching on Things I Could Disavow (2007–heute) und Sweet Talk: Commissions (Beirut) (1987–heute).

Seine Werke wurden bereits in zahlreichen internationalen Museen gezeigt. Zuletzt war Walid Raads große institutionelle Einzelausstellung Let’s be honest the weather helped im Stedelijk Museum Amsterdam und im Moderna Museet in Stockholm zu sehen (2019/2020). 2016 bespielte er in Kooperation mit SITU Studio die Synagoge Stommeln in Pulheim, ebenfalls unterstützt von der Kunststiftung NRW.



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Walid Raad

I long to meet the masses once again

bis März 2021


Kunst-Station Sankt Peter

Jabachstraße 1

50676 Köln



I long to meet the masses once again, 2020 Kunst-Station Sankt Peter Köln Photo: Christopher Clem Franken, © Walid Raad. Courtesy of the artist and Sfeir-Semler Gallery Beirut/Hamburg.