mommartzfilm 1964 – 2020,
Kunsthalle Düsseldorf


Lutz Mommartz Beuys/Thunberg – Zeitenwenden, 2020. Foto: Katja Illner.



Derzeit zeigt die Kunsthalle Düsseldorf täglich von 18 bis 21 Uhr an der Außenfassade für das Publikum öffentlich sichtbar ein Filmprogramm des Experimentalfilmers Lutz Mommartz. Ausgewählte Arbeiten des Künstlers, dessen Schau dem Publikum aufgrund der Corona-Schutzmaßnahmen immer noch nicht zugänglich ist, werden so in Ausschnitten im Außenraum gezeigt. Präsentiert werden im Loop eindrückliche Sequenzen von fünf Filmarbeiten (ohne Ton) aus über 50 Jahren künstlerischen Schaffens: Soziale Plastik (1969), Beuys/Thunberg – Zeitenwenden (2020), Jeder Mensch ist ein Tisch, nur, ich bin ein Stuhl (1983), Die Tänzerin (1992) und Der schöne Sigmar (1971). Die Filmprojektion, die bereits am 23. Januar 2021 anlässlich des Todestages von Joseph Beuys den Film „Soziale Plastik“ zeigte, wird somit um weitere vier Arbeiten des Experimentalfilmers erweitert.


Das Werk des Experimentalfilmers Lutz Mommartz (*1934) ist in der Kunst- und Filmszene seit über 50 Jahren präsent und stand dennoch nie im Fokus einer Einzelausstellung in Düsseldorf, wo er seit den 1960er Jahren künstlerisch aktiv ist. Bereits von Anfang an gehörte Lutz Mommartz zu den Querdenkern, die gegen die profane Traumfabrik Kino opponierten und den radikalen Neuanfang des Films mit ästhetischer und gesellschaftlicher Relevanz durchsetzen wollten. Nicht das narrative und verführerische Moment des Films war sein Anliegen, sondern die experimentellen Antworten auf grundsätzliche Fragen, die bis heute die Filmproduktion begleiten: Wie gestaltet sich das Verhältnis zwischen Filmemacher und Zuschauer:innen durch das Vermittlungsmedium Film und vor allem wie viel Authentizität verträgt der Film?


Lutz Mommartz‘ überraschender Erfolg 1967 beim renommierten Experimentalfilmfestival im belgischen Knokke katapultierte ihn als Autodidakten in die deutsche Avantgarde der Filmer:innen und bildenden Künstler:innen. Weiterhin als Verwaltungsbeamter tätig, wurde Mommartz Mitinitiator der legendären Künstlerkneipe Creamcheese, nahm an einflussreichen Filmfestivals und Ausstellungen wie der documenta 4 (1968) und „STRATEGY: GET ARTS“ (Edinburgh, 1970) teil und gehörte fortan zum Kreis der Filmer:innen, die als Gegenentwurf zum Mainstream „das andere Kino“ und alternative Distributionssysteme propagierten.
Als mit dem Aufkommen des Begriffs ‚Intermedia‘ die Annäherung und Überschneidung von bislang getrennten Kunstgattungen sowie generell die Synthese von künstlerischer Praxis und alltäglichem Leben gefordert wurde, rückte auch das zeitbasierte Medium Film immer mehr in den Fokus der künstlerischen Praxis. In den 1970er Jahren war Lutz Mommartz maßgeblich an der Initiative der Filmgruppe Düsseldorf beteiligt, die sich für die Anerkennung des Mediums Film in der bildenden Kunst und für die Etablierung einer Filmklasse an der Kunstakademie Düsseldorf einsetzte. 1975 erhielt Mommartz die erste Professur für Film in der damaligen Abteilung für Kunsterziehung der Kunstakademie Düsseldorf (heute Kunstakademie Münster) und leitete die Filmklasse bis 1999.


Die Kunsthalle Düsseldorf war bundesweit eine der ersten Institutionen, die im Sinne eines solchen intermedialen Ansatzes Mommartz‘ Filme zeigte und ihn bereits 1968 eine multimediale Inszenierung veranstalten ließ. Seine unkonventionellen Filme und Inszenierungen sorgen für Begeisterung und mediales Aufsehen, in ihrer Konsequenz aber gelegentlich auch für Skandale. In mehr als 50 Jahren hat Mommartz ein beeindruckendes Werk an Kurz- und Experimentalfilmen, Langfilmen und dokumentarischen Aufnahmen der Düsseldorfer Kunstszene, an zeitbasierten Installationen und Projekten produziert.


Lutz Mommartz selbst nimmt in zwei großangelegten Installationen eine Revision seiner Filme vor und entwickelt von seinem heutigen Standpunkt aus eine Präsentation, in der filmische Verfahren wie Montage, Loop, Zeitlupe, Beschleunigung, Zersplitterung und Fragmentierung zum Einsatz kommen. Die Retrospektive ist deshalb sowohl eine Werkschau des fünfzigjährigen Gesamtwerks als auch dessen Premiere.


Zur Ausstellung ist ein umfassender zweibändiger Katalog erschienen, der als Überblicksverzeichnis zu Mommartz‘ Lebenswerk dient.



mommartzfilm 1964 – 2020

Premiere und Werkschau

21. November 2020 bis 25. April 2021


Kunsthalle Düsseldorf

Grabbeplatz 4

40213 Düsseldorf