Literarischer Salon am 12. März 2020:
Guy Helminger & Navid Kermani mit Mustafa Khalifa


Mustafa-Khalifa, Foto: A.-Abdelwahab



Romane bewirken keine Revolutionen – aber manchmal werden sie zu ihrem Fanal, weil sie den Schmerz eines ganzen Volkes zu einem literarischen Aufschrei verdichten. Knapp vierzehn Jahre saß Mustafa Khalifa in syrischen Gefängnissen und wurde immer wieder gefoltert. Als er 1994 freikam, dauerte es weitere vierzehn Jahre, bis er seine Erfahrungen veröffentlichte.

Der Bericht, der daraus entstand, ist minutiös und zugleich höchst kunstvoll, ebenso quälend wie mitreißend – ein Roman, und doch keine Fiktion. Bald schon wurde Das Schneckenhaus (Weidle Verlag) zum »Evangelium der syrischen Revolution«. Kapitelweise lasen unzählige Syrer den Roman auf ihrem Smartphone, damit jedes Textstück sofort gelöscht werden konnte. Auch in der deutschen Übersetzung von Larissa Bender, 2019 erschienen, vermittelt sich die ungeheure Wucht dieses Buches, das in der Tradition der Gefängnisliteratur mit Alexander Solchenizyns Archipel Gulag oder Primo Levis Ist das ein Mensch? in einer Reihe steht. Es ist Guy Helminger und Navid Kermani eine Ehre und ein besonderes Anliegen, Mustafa Khalifa im Literarischen Salon zu begrüßen.


Text: Literaturhaus Köln



Veranstaltungspartner: Stadtgarten, Heinrich- BöllStiftung, Kulturamt der Stadt Köln, Buchhandlung Klaus Bittner, Augenklinik am Neumarkt, Kunsthochschule für Medien Köln, lit.COLOGNE



Die Kunststiftung NRW hat 2019 diese Publikation gefördert:


Mustafa Khalifa

Das Schneckenhaus

Tagebuch eines Voyeurs

aus dem Arabischen und mit einem Nachwort von Larissa Bender

Weidle Verlag, Bonn 2019