Otto Piene in Münster


„Ich muss gestehen, dass ich in meiner Arbeit immer dann am glücklichsten war, wenn sie eine überraschende Wendung nahm.“ All diese „überraschenden Wendungen“ fördert die Kunststiftung NRW seit nunmehr fast 20 Jahren. Aus gutem Grund. Aktuell einmal mehr: Mit „Otto Piene. Licht“ im LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster und dem Film "Between Fire and Sky" von Ralph Goertz, der am 26. Juni 2015 zur Eröffnung der Ausstellung seine offizielle Premiere erlebte.


Ralph Goertz, Leiter des Düsseldorfer Instituts für Kunstdokumentation und Szenografie (IKS), hat einen Film über Otto Piene gedreht. Das allein rechtfertig vielleicht noch nicht die „Meldung des Tages“. Jedoch markiert die Premiere, die am 26. Juni im LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster zur Eröffnung der Ausstellung „Otto Piene. Licht“ mit Unterstützung der Kunststiftung stattfand, den vorläufigen Höhepunkt einer Nachhaltigkeit, die beispielhaft ist für die Aktivitäten der Stiftung.


Film-Still: Ralph Goertz


Kaum ein Künstler hat sich so sehr dem Experiment, den grenzüberschreitenden Versuchen in der Kunst zugewandt wie Otto Piene (1928-2014). Er zählt zu den großen künstlerischen Protagonisten des 20. Jahrhunderts. Als Mitbegründer der internationalen ZERO-Bewegung wirkte er bereits in den 1960-er Jahren entscheidend an der Ausweitung von klassischen Kunstformen wie Bild oder Skulptur mit. Seine Rauch- und Feuerbilder, seine Lichträume und Lichtballette stehen für eine fast romantische Sehnsucht nach dem Einklang mit der Natur, beziehen reale Bewegung, Licht, Zeit, Raum in die Kunstproduktion mit ein.


 Film-Still: Ralph Goertz


Durch Projekte an öffentlichen Orten in Deutschland und in Amerika, vor allem aber durch seinen Umzug in die USA am Ende der 1960er Jahre haben sich für seine experimentelle Haltung weitere, entscheidende Perspektiven eröffnet. Zusammen mit technischen Ingenieuren entwickelte Piene seit Beginn der 1970er Jahre am Center for Advanced Visual Studies (CAVS, MIT, Boston) zahlreiche interdisziplinäre Projekte und Veranstaltungen, die im öffentlichen Raum stattfanden, stark prozessorientiert und ephemer waren. Gerade in diesen vergänglichen Projekten des Künstlers zeigt sich eine offene Kunstvorstellung, die bis heute beeindruckend und für den aktuellen Diskurs relevant ist.