Residence NRW⁺

„Im Garten der Blicke“, Kunsthaus NRW Kornelimünster
„250 000 Paintings“, Marta Herford


Guillaume de Lorris und Jean de Meun, Le Roman de la Rose, Niederlande, S. (Brügge), c. 1490 – c. 1500, f. 12v, The British Library.



Im Garten der Blicke – Ein Dialog zwischen Körper und Sammlung

Kunsthaus NRW Kornelimünster

Performance-Programm am 31. Oktober und 1. November 2020



„Im Garten der Blicke“ im Kunsthaus NRW Kornelimünster zielt auf einen dialogischen Austausch zwischen Werken der Sammlung NRW Förderankäufe und Performances. Für die Austauschsituation hat Hanns Lennart Wiesner zusammen mit Celeste Burlina eine szenografische Architektur entwickelt, die einen Rahmen bietet, worauf auch der Projekttitel und das Bildmotiv des Flyers vielfältig assoziativ anspielen. Das Projekt kann als ein ungewöhnlicher Ansatz verstanden werden, die Aspekte von Sammlung, Innen und Außen, von Wahrnehmung, von Körper und Imagination anders/neu zu befragen – natürlich nur exemplarisch, aber in seiner Konzeption wiederholbar/wiederanwendbar, wenngleich dann mit Blick auf die Dialogpartner*innen jeweils als ein für sich einzigartiges Erlebnis. 


31. Oktober und 1. November 2020: Performance & Sammlung

15.00 Uhr: Cassie Augusta Jørgensen & Karin Kneffel

16.30 Uhr: Liina Magnea & Renate Goebel

18.00 Uhr: Hanne Lippard & Werner Heuser


Die Performances werden durch ein Violin-Solo vom Bundessieger „Jugend musiziert 2019“, Peter Son Götz, gerahmt. Götz spielt auf einer Geige von Falk Peters, international renommierter Geigenbauer aus Kornelimünster.


Aufgrund begrenzter Plätze wird um Anmeldung gebeten: projekte@kunsthaus.nrw



Ausschnitt aus Christophe Berhault, „250 000 Paintings“, 2012, fortlaufend © Christophe Berhault.



250 000 Paintings

Marta Herford, digitale Außenprojektion auf die Architektur von Frank Gehry

30. Oktober bis 28. November 2020 



„250 000 Paintings“ (2012, fortlaufend) des französischen Künstlers Christophe Berhault (*1958) ist das digitale Fotoarchiv einer Auswahl von 250.000 abfotografierten Amateuraufnahmen, gefunden auf Flohmärkten und in Antiquariaten in Berlin. Daraus hat Berhault eine Auswahl getroffen, mitunter nur einzelne Bildausschnitte, und diese digital abfotografiert – laut Berhault ist es das Leben selbst, das hier aus nahezu einem Jahrhundert Fotomaterial archiviert wird. Die so vor dem Vergessen geretteten Fotografien verbinden individuelle Schicksale mit größerer Geschichtsschreibung, um dann in der persönlichen Aneignung durch Berhault nicht chronologisch geordnet jeweils einmalig für den kurzen Augenblick von 10 Sekunden gezeigt zu werden. Für diesen Moment erhalten sie durch den kompositorischen Prozess des Abfotografierens und in der Vergrößerung eine künstlerische Dimension, die es vermag, vielfältige Assoziationen an Malerei zu wecken.

Für das Marta Herford ist „250 000 Paintings“ als Projektion auf die von Frank Gehry entworfene Außenhülle des Museums geplant, als Begleitprogramm bis zum 28. November zur Ausstellung „Trügerische Bilder – Ein Spiel mit Malerei und Fotografie“, die am 30. Oktober eröffnet wird. Durch die Projektion auf die repräsentative Fassade, deren Sichtbarkeit sich mit den jeweiligen Lichtverhältnissen im Tagesverlauf wandelt, wird der Ausstellungsraum im Inneren um den Bereich des Öffentlichen erweitert. Und ohne die Vorstellungswelt des Privaten, wie sie in den Fotos aufscheint, zu verlassen, gelingt andersherum, die Aufmerksamkeit von außen – vom Stadtraum – nach innen – in das Museum hinein – zu lenken. Dabei werfen die Präsentation im „öffentlichen“ Raum und die Verschiebung von innen nach außen gleichermaßen Fragen der Sammlungstätigkeit von Museen auf: Was hält Einzug in die Sammlung? Wer entscheidet darüber und wie wird eine Sammlung anschließend präsentiert? Ein sehr gegenwartsbezogener Prozess der Reflexion für die Dauer von knapp 29 Tagen oder 694 Stunden oder „250 000 Paintings“.



„Im Garten der Blicke“ und „250 000 Paintings“ finden statt im Rahmen von Residence NRW⁺, einem praxisorientierten Stipendienprogramm für den besonders begabten Nachwuchs (Künstler*innen und Kurator*innen) im Bereich der Gegenwartskunst mit Standort Münster. Das Programm ist angegliedert an die Kunsthalle Münster und wird finanziell unterstützt von dem Ministerium für Kunst und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, von der Kunststiftung NRW und von der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia.


Text und Projekte: Hanns Lennart Wiesner