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Pressemitteilungen
Der Straelener Übersetzerpreis der Kunststiftung NRW geht dieses Jahr an Christian Hansen (Hauptpreis) und Wiebke Stoldt (Förderpreis). Er gehört zu den höchstdotierten Auszeichnungen für literarische Übersetzung in Europa.
Der renommierte Straelener Übersetzerpreis der Kunststiftung NRW geht dieses Jahr an Christian Hansen für seine Übertragung von César Airas Roman "Der Hase" (Matthes & Seitz Berlin, 2025) aus dem argentinischen Spanisch. Der Preis wird unter besonderer Würdigung des übersetzerischen Gesamtwerks vergeben und ist mit 25.000 Euro dotiert.
"César Airas Prosawerk 'Der Hase' stellt höchste Anforderungen an den Übersetzer. Christian Hansen begegnet ihnen mit Lässigkeit und unbändiger Lust am Spiel. Seine Übertragung bewahrt die Lakonie des Originals, dessen Schärfe und feinen Humor, ist aber nie nur nachahmend, sondern an jedem Punkt sprühend erfinderisch. [...] Seine Expertise und Leidenschaft haben maßgeblich dazu beigetragen, die ästhetische Vielfalt der hispanoamerikanischen Literatur für ein deutschsprachiges Publikum erfahrbar zu machen: eine Horizonterweiterung, für die ihm nicht genug zu danken ist" – so die Jury in ihrer Begründung.
Christian Hansen, 1962 in Köln geboren, ist Übersetzer aus dem Spanischen. Zu den von ihm übersetzten Autoren zählen neben César Aira u. a. Selva Almada, Roberto Bolaño, Julio Cortázar, Alan Pauls und Sergio Pitol. Im Wintersemester 2016/17 war Hansen der August Wilhelm von Schlegel-Gastprofessor für Poetik der Übersetzung am Peter Szondi-Institut der Freien Universität Berlin. Er lebt und arbeitet in Berlin und Madrid.
Den Förderpreis erhält Wiebke Stoldt für ihre Übertragung von Maria Judite de Carvalhos Roman "Leere Schränke" (S. Fischer, 2025) aus dem Portugiesischen. Hierzu die Jury: "Wiebke Stoldt legt mit ihrer Übertragung des Romans 'Leere Schränke' ein in jeder Hinsicht eindrucksvolles Debüt vor, verlangt doch die Übersetzung diesesleisen Textes Schöpfungstiefe und Sich-Zurücknehmen zugleich. Dieser Spagat ist Wiebke Stoldt überzeugend gelungen." Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert.
Wiebke Stoldt wuchs in der Nähe von Hamburg auf und studierte Übersetzung an der Pariser Sorbonne. Sie arbeitet seit vielen Jahren als Übersetzerin aus dem Portugiesischen, Französischen, Spanischen und Englischen ins Deutsche. Die Übertragung von Maria Judite de Carvalhos Roman "Leere Schränke" ist ihre erste literarische Übersetzung.
Die Preisverleihung findet mit geladenen Gästen am 19. November 2026 im Europäischen Übersetzer-Kollegium Straelen statt.
Der Straelener Übersetzerpreis der Kunststiftung NRW gehört zu den höchstdotierten Auszeichnungen für literarische Übersetzung in Europa und wird jährlich in Kooperation mit dem Europäischen Übersetzer-Kollegium in Straelen vergeben.
Der Jury 2026 gehören an:
Maria Hummitzsch – Übersetzerin aus dem Englischen und Portugiesischen
Anne-Dore Krohn – Literaturredakteurin bei rbb Kultur
Theresia Prammer – Publizistin und Übersetzerin aus dem Französischen und Italienischen
Olga Radetzkaja – Übersetzerin aus dem Russischen
Ulrich Sonnenberg – Übersetzer aus dem Dänischen und Norwegischen
Dorothee Elmiger wird nächste Thomas-Kling-Poetikdozentur der Kunststiftung NRW an der Universität Bonn
Antrittsvorlesung am 11. Mai 2026 um 19 Uhr im Festsaal der Universität
Dorothee Elmiger, die aktuelle Trägerin des Deutschen Buchpreises, übernimmt die Thomas-Kling-Poetikdozentur der Kunststiftung NRW am Institut für Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft (IGLK) der Universität Bonn. Die Autorin gehört zu den bedeutendsten Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur.
Die Besetzung der Poetikdozentur mit Dorothee Elmiger erscheint in gleich mehrfacher Hinsicht als glücklicher Umstand, könnte man sie doch als eine forschende Schriftstellerin bezeichnen. Alle vier Romane der Philosophin und Politikwissenschaftlerin folgen einer Suchbewegung, stellen gleichsam eine Art Forschungsprojekt dar, sei es zum Verschwinden der Utopie in einem ehemaligen Kohleabbaugebiet oder zum Zusammenhang von Zucker, Spielsucht und Kolonialismus. Auch ihr jüngster Roman "Die Holländerinnen", der neben dem Deutschen Buchpreis 2025 auch mit dem Schweizer Buchpreis und dem Bayerischen Buchpreis ausgezeichnet wurde, unternimmt eine Suche. Ausgehend von dem Fall zweier verschwundener junger Frauen im Dschungel von Panama startet die Autorin eine "grandiose literarische Expedition" (Katharina Teutsch, Die Zeit).
Die Antrittsvorlesung findet am 11. Mai um 19 Uhr im Festsaal der Universität Bonn statt. Interessierte sind herzlich eingeladen.
Dorothee Elmiger, geboren 1985 in der Schweiz, lebt als freie Autorin und Übersetzerin in New York. Ihre Bücher "Einladung an die Waghalsigen" (Dumont, 2010), "Schlafgänger" (Dumont, 2014), "Aus der Zuckerfabrik" (Hanser, 2020) und "Die Holländerinnen" (Hanser, 2025) wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt, für die Bühne adaptiert und vielfach ausgezeichnet.
Über die Thomas-Kling-Poetikdozentur
Der Dichter Thomas Kling (1957–2005) war einer der bedeutendsten Sprachkünstler seiner Generation, experimentell und radikal. Ihm zu Ehren hat die Kunststiftung NRW die gleichnamige Poetikdozentur an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn eingerichtet, die seit 2011 jedes Jahr an namhafte Autor:innen vergeben wird. Bisherige Poetikdozent:innen waren Stefan Weidner, Barbara Köhler (†2021), Oswald Egger, Norbert Scheuer, Marion Poschmann, Esther Kinsky, Christoph Peters, Anja Utler, Marcel Beyer, Ulrike Almut Sandig, Steffen Popp, Ulrike Draesner, Uljana Wolf und Daniel Falb.
Kunstpreis der Kunststiftung NRW – Nam June Paik Award 2026 für Michael Beutler
Förderpreis für Lisa Klosterkötter
Preisverleihung und Ausstellungseröffnung am 26. April 2026 um 12 Uhr im Kunstmuseum Gelsenkirchen
Der Kunstpreis der Kunststiftung NRW – Nam June Paik Award 2026 geht an den Künstler Michael Beutler. Der international renommierte Preis ist mit 25.000 Euro dotiert und zählt zu den bedeutendsten Auszeichnungen für zeitgenössische Kunst in Nordrhein-Westfalen und darüber hinaus. Die Verleihung und Ausstellungseröffnung finden am 26. April 2026
um 12 Uhr im Kunstmuseum Gelsenkirchen statt. Die Ausstellung ist anschließend bis zum 16. August geöffnet.
Das Juryverfahren umfasste zwei Stufen: Nach der Nominierung durch eine Vorschlagsjury wurden die eingeladenen Künstler:innen gebeten, einen ortspezifischen Entwurf für die historische Villa des Kunstmuseums einzureichen. Auf Grundlage dieser Entwürfe traf die Auswahljury ihre Entscheidung.
Hauptpreis für Michael Beutler
Michael Beutler wird für die raumgreifende Installation "Tapetenwechsel" ausgezeichnet, die die ehemalige Industriellenvilla aus dem späten 19. Jahrhundert in eine künstlerisch-handwerkliche Produktionsstätte verwandelt – eine mehrstöckige Werkstatt, in der Altpapier zu skulpturalen Objekten verarbeitet wird. Der Herstellungsprozess selbst wird dabei zum zentralen Bestandteil der Ausstellung. In eigens konstruierten Apparaturen werden alte Bücher, Kataloge und andere Materialien zu Pulpe verarbeitet und daraus lange Papierbahnen geschöpft, die anschließend die Räume der Villa neu einkleiden. Maschinen, Werkzeuge und Produktionsabläufe bleiben sichtbar und machen die Transformation des Materials unmittelbar erfahrbar. Die ortsspezifische Arbeit verbindet die industrielle und handwerkliche Geschichte der Stadt Gelsenkirchen mit der Idee des Museums als schöpferischem Ort, an dem Kunst zum gemeinsamen Erleben und Weiterdenken anregt. Mit ihrer interaktiven Komponente spannt die Arbeit zudem einen Bogen zum kinetischen Sammlungsschwerpunkt des Hauses.
Michael Beutler sagt dazu: "Papier, Arbeit und Produktion haben eine lange Geschichte. In Gelsenkirchen interessiert mich besonders, wie sich diese Themen mit dem Ort und seiner industriellen Vergangenheit verbinden lassen."
Michael Beutler (*1976, lebt und arbeitet in Berlin und Aachen) studierte an der Städelschule in Frankfurt am Main bei Thomas Bayrle sowie an der Glasgow School of Art. Er ist bekannt für seine monumentalen, meist begehbaren Installationen aus einfachen, recycelbaren Materialien, die er mit selbstgebauten Werkzeugen bearbeitet. In seiner Arbeit spielt das Konzept der Werkstatt eine zentrale Rolle: Jede dieser Arbeiten entsteht in einer neu eingerichteten Produktionsumgebung, die selbst Teil der künstlerischen Praxis wird.
Die Jury würdigte den Entwurf mit folgenden Worten: "Papier – das ist nicht nur ein besonderer Teil des kulturellen Gedächtnisses, sondern auch das Ergebnis handwerklicher Prozesse, die so kaum mehr existieren. Die Erinnerung an die soziale Bedeutung manueller Arbeit als identitätsstiftende Ressource hallt in Gelsenkirchen als ehemaliger Industrie- und Fabrikstadt besonders nach."
Der Auswahljury 2026 gehören an:
Enis Maci (Autorin, Berlin / Gelsenkirchen)
Heike Munder (Beraterin für internationale Museumsentwicklung und Kuratorin, Zürich)
Marcel Odenbach (Künstler, Köln / Ghana / Italien)
Förderpreis für Lisa Klosterkötter
Im Rahmen der Veranstaltung wird außerdem ein Förderpreis vergeben. Er geht an die Künstlerin und Kuratorin Lisa Klosterkötter. Mit der Auszeichnung erhält sie die Möglichkeit, eine neue Arbeit für das Kunstmuseum Gelsenkirchen zu entwickeln und zu realisieren.
In ihren Projekten arbeitet Klosterkötter häufig kollaborativ und im öffentlichen Raum. Für Gelsenkirchen plant sie ein mehrteiliges Ausstellungs- und Veranstaltungsformat, das sich mit Formen von Gemeinschaft, Nachbarschaft und öffentlichem Zusammenleben auseinandersetzt. Lesungen, künstlerische Interventionen und performative Formate an unterschiedlichen Orten im Außen- und Innenraum greifen das Selbstverständnis des Hauses als Reflexions- und Erlebnisort für die breite Öffentlichkeit auf. Das Museum wird zum Treffpunkt, an dem gesellschaftliche Erfahrungen, Perspektiven und Bedürfnisse sichtbar und erlebbar werden.
Termin
Preisverleihung und Ausstellungseröffnung
Sonntag, 26. April 2026, 12 Uhr
Laufzeit: 26. April bis 16. August 2026
Kunstmuseum Gelsenkirchen
Horster Str. 5-7, 45897 Gelsenkirchen
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag von 11:00 bis 18:00 Uhr
Eintritt frei.
Über den Kunstpreis der Kunststiftung NRW – Nam June Paik Award
Als größte unabhängige Fördereinrichtung Nordrhein-Westfalens vergibt die Kunststiftung NRW ihren internationalen Kunstpreis bereits seit über 20 Jahren. Der Preis zeichnet Künstler:innen aus, deren Werk sich in besonderer Weise mit zeitgenössischen Formen und Konzepten auseinandersetzt. Seit 2023 wird der Preis in Kooperation mit wechselnden Museen in NRW vergeben, die ortsspezifische Arbeiten der Preisträger:innen realisieren.
Bildmaterial
Straelener Übersetzerpreis der Kunststiftung NRW 2026