Christoph Peters

Der Schriftsteller Christoph Peters übernimmt im Sommersemester 2017 die Thomas-Kling-Poetikdozentur der Kunststiftung NRW an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Christoph Peters
Christoph Peters

Christoph Peters, geboren 1966 in Kalkar, wuchs am Niederrhein auf, studierte Freie Malerei in Karlsruhe und lebt heute in Berlin. Er ist Autor zahlreicher Romane und Erzählungen, in denen sich immer wieder Orient und Okzident begegnen, ob in Gestalt eines japanischen Ofensetzers an der Ostsee oder eines zum Islam konvertierten Deutschen, der in Ägypten zum Terroristen wird. Seit seinem Romandebüt „Stadt, Land, Fluß“ (1999) erschienen sechs weitere Romane, zuletzt „Herr Yamashiro bevorzugt Kartoffeln“ (2014) und „Der Arm des Kraken“ (2015). Außerdem veröffentlichte Peters Erzählbände, Gedichte und Essays, u. a. über den Keramiker Jan Kollwitz und über den Tee.
Für seine Bücher wurde er mehrfach ausgezeichnet, darunter mit dem Aspekte-Literaturpreis, dem Georg-K.-Glaser-Preis, dem Düsseldorfer Literaturpreis, dem Rheingau-Literaturpreis und dem Friedrich-Hölderlin-Preis.

Die feierliche Antrittsvorlesung des neuen Poetikdozenten "Vom Lagerfeuer zum Werbespot – Wovon wir erzählen" fand am Dienstag, 2. Mai 2017, im Festsaal der Bonner Universität statt.

 

Ein Rückblick

Christoph Peters
Christoph Peters

Das Reisen begleitet Christoph Peters wie das Schreiben: Es ist die Reibung zwischen Statik und Dynamik, zwischen Rückzug und Freiheit, aus der heraus seine Geschichten entstehen. Zuletzt las ich Peters‘ Erzählband "Diese wunderbare Bitterkeit – Leben mit Tee" (erschienen 2016 im Arche Verlag), mit dem er seiner Leidenschaft für Teezubereitung und Teekeramik Ausdruck gibt und die Teezeremonie zwischen Handwerk und künstlerischer Fertigkeit betrachtet. Dabei gibt er seinen Leser:innen stets die Überlegung mit, was Literatur ermöglichen kann. Noch vor wenigen Tagen erst las der Autor im Rahmen einer von ihm durchgeführten Teezeremonie in Bonn selbst aus seinem Band und gab den Zuhörer:innen im direktesten Sinne mit Wort und Aufguss eine Kostprobe seiner Fähigkeiten. Christoph Peters ist ein Impulsgeber, der Erfahrungen teilt und weitergibt – durch seine Geschichten und Erzählungen, bei Vorträgen und Lesungen, wie auch im Rahmen seiner Lehre.

Christoph Peters hatte im Jahr 2017 die siebte Thomas Kling-Poetikdozentur der Kunststiftung NRW inne. Am Institut für Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft an der Rheinischen Friedrichs-Wilhelms-Universität zu Bonn tauchte er mit einer Gruppe Studierender in die Welt des Schreibens und in die Facetten des Geschichtenerzählens ein: "Jedes Wort zählt – eine Geschichtenwerkstatt", so der Titel seines Seminars. Bei einem Treffen im Café im Museum Ludwig in Köln berichtete Peters von den Inhalten seiner Poetik-Dozentur: Perspektiven des Schreibens zu vermitteln, sich den Schwierigkeiten, aber auch den Möglichkeiten der eigenen Sprache zu stellen. Zum einen den Blick auf das Handwerk zu richten, auf Traditionen, Techniken und Regeln. Nuancen der Sprache heraus zu arbeiten, auf ihre Rhythmik und ihre Klanggestalt zu achten. Sitzen zu bleiben, der Intuition zu folgen. Und sich andererseits über jedwede Materialität der Sprache dem "Unsagbaren" zu widmen, dem Unbekannten nachzuspüren und den eigenen Blick zu befreien.

Bereits mit seiner Antrittsvorlesung "Vom Lagerfeuer zur fake news" sprach er im Mai 2017 ein Plädoyer für die eigene Vorstellungskraft aus – der sich dann zwischen sieben und dreizehn Studierende aus verschiedenen Fachbereichen über die Dauer eines Semesters hinweg widmeten. In einem geschützten Raum der Erprobung lernten sie, Sprache als Katalysator zu nutzen, um Ordnung und Sinn beim Schreiben zu erzeugen und sich zugleich vom individuellen, freien Denken inspirieren und leiten zu lassen. Die Schreibwerkstatt fand mit der kontinuierlichen Praxis des Schreibens zunehmend Resonanz, und so formte das Interesse an der Auseinandersetzung mit Sprache und dem kollegialen Austausch darüber den Wunsch, den Zirkel auf eigene Initiative über das Seminar hinaus fortzusetzen, um Texte und Gespräche auszubauen. Die Ergebnisse wurden nun im Rahmen einer öffentlichen Lesung am 26. Januar 2018 im Fritz Café der Universität Bonn präsentiert: Laura von Altrock, Lea Daume, Yannick Günther, Jacqueline Sauer, Patrick Wira und Isabelle Pooth lasen ihre Texte und luden unter Moderation von Christoph Peters zur Diskussion darüber ein.

Text: Christina Irrgang
 
 
Bonn FM: Christoph Peters im Interview

Literatur

Mit ihrer Literaturförderung unterstützt die Kunststiftung NRW die Produktion, Vermittlung und Präsentation literarischer Werke von hoher Qualität in und aus NRW.

Durch Arbeits- und Recherchestipendien, die Förderung von Publikationen und Editionen, Literaturfestivals, Lesereihen und besonderen literarischen Vorhaben bieten wir der Literaturlandschaft Nordrhein-Westfalens eine breitgefächerte Unterstützung, die die Vielfalt des literarischen Lebens vor Ort stärkt und sichtbar macht und über die Grenzen des Landes hinausträgt. Ein Schwerpunkt liegt dabei im Bereich der literarischen Übersetzung, mit dem Anspruch, den internationalen Kulturtransfer zu befördern und mit neuen Akzenten zu versehen.

  • Förderung
  • Stiftungsinitiativen

    • Straelener Übersetzerpreis der Kunststiftung NRW

      Mit diesem Preis zeichnen wir herausragende literarische Übersetzungen und das Lebenswerk der Übersetzenden aus.

      In der Überzeugung, dass nur gelungene Übersetzungen literarischer Texte die Begegnung mit Weltliteratur, die Einfühlung in das Fremde und einen internationalen Kulturtransfer ermöglichen, hat die Kunststiftung NRW 2001 in Kooperation mit dem Europäischen Übersetzer-Kollegium Straelen den mit 25.000 Euro dotierten Straelener Übersetzerpreis ins Leben gerufen.

      Er zeichnet neben einer herausragenden literarischen Übersetzung zugleich das Lebenswerk der Übersetzenden aus und gehört zu den höchstdotierten Literaturpreisen im deutschsprachigen Raum. Seit 2012 vergeben wir zusätzlich einen Förderpreis in Höhe von 5.000 Euro.
       

    • Straelener Atriumsgespräche

      Wir fördern Werkstattgespräche zwischen Autor:innen und ihren internationalen Übersetzer:innen.

      Im Rahmen der internationalen Veranstaltungsreihe Straelener Atriumsgespräche – initiiert von der Kunststiftung NRW und dem Europäischen Übersetzer-Kollegium Straelen – arbeiten zweimal jährlich herausragende deutschsprachige Autor:innen über mehrere Tage mit ihren ausländischen Übersetzer:innen an aktuellen Werken.

      Die Kunststiftung NRW unterstützt mit diesem beispielgebenden Projekt die künstlerische Arbeit der Literaturübersetzer:innen und trägt dazu bei, Fehler und Missverständnisse im Sprach- und Kulturtransfer zu vermeiden. Die Rezeption deutschsprachiger Literatur im Ausland wird damit gefördert und die Qualität übersetzter Literatur generell gesteigert.

      Weitere Informationen www.euk-straelen.de
       

    • Thomas-Kling-Poetikdozentur

      Wir berufen namhafte Autor:innen und Übersetzer:innen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur als Gastdozent:innen an die Universität Bonn.

      Als besonderes Förderprojekt wurde im Jahr 2011 die Thomas-Kling-Poetikdozentur an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn eingerichtet. Namhafte Autor:innen und Übersetzer:innen werden mit einem Stipendium ausgestattet, das ihnen eigene Lehrveranstaltungen ermöglicht. Die Auswahl treffen Vertreter:innen der Kunststiftung NRW und der Universität Bonn. Mit dieser spezifischen Autorenförderung wird eine Brücke zwischen Wissenschaft und Literatur geschlagen. Die Studierenden können nicht nur Einblick in eine künstlerische Schreibwerkstatt nehmen, sondern sich auch mit der ästhetischen Theorie lebender Autor:innen wissenschaftlich auseinandersetzen.

      Der Lyriker und Essayist Thomas Kling (1957-2005), nachdem die Dozentur benannt ist, war eine Ausnahmeerscheinung unter den deutschsprachigen Dichtern seiner Generation, ein Meister der sprachlichen Inszenierung. Beeinflusst von Autoren wie H. C. Artmann, Ernst Jandl und Paul Celan schuf er ein poetisches Werk, mit dem er maßgeblichen Einfluss auf die deutschsprachige Lyrik nach 1990 nahm: Klings Gedichtbände waren wegweisend für seine Zeitgenossen, ebenso seine spektakulären Auftritte. Thomas Kling war im Rheinland verwurzelt. Seinem radikalen Geist und seinem kompromisslosen Künstlertum fühlt sich die Kunststiftung NRW in besonderer Weise verpflichtet. Seit Klings frühem Tod im Jahr 2005 helfen wir, sein Erbe zu bewahren, und unterstützten Aktivitäten des Thomas-Kling-Archivs auf der Raketenstation Stiftung Insel Hombroich. 2015 erschien die Höredition "Die gebrannte Performance" in der Schriftenreihe Literatur der Kunststiftung. 2020 wurde die große vierbändige Thomas-Kling-Werkausgabe im Suhrkamp Verlag mit Mitteln der Kunststiftung NRW ermöglicht.
       

    • Residenzen
      • Atelier Galata

        Wir vergeben für einen Zeitraum von bis zu sechs Monaten ein Residenzstipendium im Bereich Literatur in Istanbul.

        Ziel des Stipendiums ist es, die Literaturlanschaft vor Ort kennenzulernen, Kontakte zu knüpfen, Ideen auszutauschen, Anregungen für das eigene Schreiben zu gewinnen und diese Impulse in die jeweiligen Arbeitskontexte in Nordrhein-Westfalen einzubringen. Die Ausschreibung ist nicht alterslimitiert. Sie richtet sich an professionelle Autor:innen mit Lebensmittelpunkt in Nordrhein-Westfalen, die bereits öffentliche Anerkennung erfahren haben und erste literarische Veröffentlichungen vorweisen können.
         

    • Publikationen
      • Schriftenreihe Literatur

        In ihrer Schriftenreihe Literatur stellt die Kunststiftung NRW Autor:innen des Landes vor und bietet einen Publikationsort auch für ausgefallene literarische Vorhaben, die unmittelbar aus Förderprojekten der Stiftung hervorgehen. Sie dokumentiert herausragende, von der Stiftung initiierte literarische Vorhaben und verleiht der Literaturszene NRW Sichtbarkeit.

    • Partnerschaften
      • Europäisches Übersetzer-Kollegium Straelen

        Wir verleihen in Zusammenarbeit mit dem Europäischen Übersetzer-Kollegium den Straelener Übersetzerpreis der Kunststiftung NRW, veranstalten Atriumsgespräche und fördert Aufenthaltsstipendien und Werkstätten für Übersetzer:innen.

        Um den internationalen Kulturtransfer zu stärken und mit neuen Akzenten zu versehen, setzt die Kunststiftung NRW einen Schwerpunkt ihrer Tätigkeit mit der Förderung des literarischen Übersetzens. Diese Förderpraxis wird getragen von der Überzeugung, dass nur gelungene Übersetzungen literarischer Texte die Begegnung mit Weltliteratur, die Einfühlung in das Fremde und einen intensiven, internationalen Austausch zwischen den Kulturen ermöglichen. In diesem Sinne hat die Stiftung mit dem Europäischen Übersetzerkollegium Straelen den mit 25.000 Euro dotierten Straelener Übersetzerpreis der Kunststiftung NRW ins Leben gerufen. Darüber hinaus fördert die Kunststiftung Aufenthaltsstipendien im Europäischen Übersetzer-Kollegium und finanziert die Straelener Atriumsgespräche zwischen Autor:innen und ihren Übersetzer:innen. Außerdem fördert die Kunststiftung NRW die Übersetzerwerkstatt ViceVersa.
         

      • Künstlerdorf Schöppingen

        Wir vergeben in Zusammenarbeit mit der Stiftung Künstlerdorf Schöppingen Aufenthaltsstipendien im Bereich Literatur im Künstlerdorf Schöppingen.

        Das Künstlerdorf versteht sich gleichermaßen als Arbeitsort für Kunstschaffende aller Sparten und als künstlerisches Projekt-Laboratorium, das eine intensive Kommunikation zwischen den Disziplinen ermöglicht. Die Stipendiat:innen leben und arbeiten für die Zeit von maximal sechs Monaten im Künstlerdorf Schöppingen. Die Stipendien sind international ausgeschrieben und mit einer Residenzpflicht verbunden.

        Bewerbungen:
        https://www.stiftung-kuenstlerdorf.de/
         

    • Sonderfonds 2021

      Wir legen ein weiteres Unterstützungsprogramm auf, um die Folgen der Pandemie aufzufangen.

      Anträge auf Sonderförderung im Rahmen von "Künste bewegen – Sonderfonds 2021" können vom 1. Mai bis zum 31. Dezember 2021 ausschließlich digital gestellt werden. Über die Anträge wird fortlaufend beraten und nach den Qualitätsmaßstäben der Kunststiftung NRW befunden.
       

      • Schreib- und Rechercheprojekte,
        Publikationen und deren Präsentation

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      • Pandemiebedingte Maßnahmen,
        auch für bereits bewilligte Projekte

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