Straelener Übersetzerpreis 2018

Straelener Übersetzerpreis der Kunststiftung NRW 2018

Der renommierte Straelener Übersetzerpreis der Kunststiftung NRW gehört zu den höchstdotierten Literaturpreisen im deutschsprachigen Raum und wird seit 2001 im niederrheinischen Straelen vergeben.
2018 würdigt der Preis eine herausragende literarische Übersetzung aus der deutschen in die englische Sprache.

Preisträgerin 2018
Katy Derbyshire

Katy Derbyshire, Foto: Anja Pietsch
Katy Derbyshire, Foto: Anja Pietsch

Der Straelener Übersetzerpreis der Kunststiftung NRW geht im Jahr 2018 an die in Berlin lebende britische Literaturübersetzerin Katy Derbyshire. Der Preis ist mit 25.000 Euro dotiert und wird in Kooperation mit dem Europäischen Übersetzer-Kollegium in Straelen vergeben. Katy Derbyshire erhält den Preis für ihre Übersetzung von Clemens Meyers "Im Stein" (Bricks and Mortar, erschienen 2016 im Verlag Fitzcarraldo Editions). Zugleich würdigt der Preis das übersetzerische Lebenswerk von Katy Derbyshire.

Katy Derbyshire wurde 1973 in London geboren und lebt seit 1996 in Berlin. Sie übersetzt deutschsprachige Gegenwartsliteratur ins Englische, schreibt über deutsche Bücher und unterrichtet literarisches Übersetzen. Sieben Jahre lang war sie Mit-Herausgeberin der Onlinezeitschrift no-mans-land.org (zusammen mit Isabel Cole und Catherine Hales bzw. Alistair Noon) und ist bis heute Mit-Gastgeberin des gleichnamigen Berliner Translation Labs. Ihre sporadisch erscheinenden Blogs Love German Books und die bis 2014 erschienene Kolumne Going Dutch with German Writers sind im Internet zu finden. Zusammen mit Florian Duijsens organisiert und moderiert sie die Dead Ladies Show im Berliner ACUD – ein feministischer Erzählabend über historische Frauenfiguren, gefördert vom Berliner Senat. Mit Rachel McNicholl und Joanna Walsh initiierte sie den Warwick Prize for Women in Translation, der 2017 zum ersten Mal verliehen wurde.

Förderpreisträger 2018
Simon Pare

Simon Pare, Foto: Thomas von Salis
Simon Pare, Foto: Thomas von Salis

Der mit 5.000 Euro dotierte Förderpreis zum Straelener Übersetzerpreis 2018 der Kunststiftung NRW geht an den britischen Übersetzer Simon Pare für die Übersetzung des Romans "Der fliegende Berg" des österreichischen Autors Christoph Ransmayr (The Flying Mountain, Seagull Books 2018).

Simon Pare, geboren 1972, ist in Shropshire, Großbritannien aufgewachsen. Er studierte Germanistik und Romanistik an der Cambridge University. Nach einem Master of Science in Nachhaltiger Landwirtschaft an der University of London, arbeitete Simon bei "Fairtrade" in Paris, bevor er 2006 literarischer Übersetzer aus dem Deutschen und Französischen wurde. Er wohnt im Zürcher Oberland.

Jury 2018

Der Jury gehören die:der Übersetzer:in Penny Black und Iain Galbraith und der Literaturkritiker Denis Scheck an.

Die Begründungen der Jury:

Katy Derbyshire

"Der Straelener Übersetzerpreis der Kunststiftung NRW geht in diesem Jahr an Katy Derbyshire. Ihre Übersetzung des Romans 'Im Stein' von Clemens Meyer (Bricks and Mortar, Fitzcarraldo Editions 2016) überzeugt durch Vielstimmigkeit, soziologische Versiertheit und nicht zuletzt durch sprachliche Schönheit. Zudem hat die 1973 in London geborene, seit Mitte der neunziger Jahre in Berlin lebende Übersetzerin durch ihre vielfältige publizistische Tätigkeit unter anderem in dem Blog Love German Books bewiesen, dass literarisches Übersetzen auch jenseits der gedruckten Seite ein Lebenszusammenhang ist. Katy Derbyshire besticht mit ihrer Sprachgewalt, ihrer Milieusicherheit und ihrem Mut", so die Jury des Straelener Übersetzerpreises.

Simon Pare

"Mit dem Förderpreis zum Übersetzerpreis der Kunststiftung NRW 2018 wird Simon Pare ausgezeichnet. Mit seiner Übersetzung von Christoph Ransmayrs Versroman 'Der fliegende Berg' (The Flying Mountain, Seagull Books 2018) beweist der 1972 geborene und in Shropshire aufgewachsene, heute in der Schweiz lebende Simon Pare ein sicheres Gespür für Diktion und Duktus eines ungewöhnlich herausforderungsreichen Originals. Ohne je auf künstlichen Sauerstoff angewiesen zu sein, folgt Pare seinem Autor leichtfüßig auf das Niveau eines literarischen Achttausenders", so die Jury des Straelener Übersetzerpreises, die unterstreicht, "wie erfreulich hoch die Qualität der eingereichten Werke war, wie reichhaltig ihre übersetzerische Methodik und wie lohnend die Beschäftigung damit."

 
Im Gespräch mit Katy Derbyshire

Text: Christina Irrgang

Foto: Christina Irrgang
Foto: Christina Irrgang

Ein Besuch des Europäischen Übersetzerkollegiums in Straelen (EÜK) am Niederrhein versetzt in anhaltendes Staunen: Über 750 Übersetzer:innen aus mehr als 60 Ländern kommen jährlich hierher, es ist das weltweit erste und größte Arbeitszentrum für professionelle Literatur- und Sachbuchübersetzung, das 2018 nun bereits seit 40 Jahren besteht. Das EÜK bietet nicht nur ein konzentriertes Terrain zum Arbeiten, sondern erschließt mit einer Bibliothek von etwa 125.000 Bänden in 275 Sprachen und Dialekten auch Räume, die erlauben, in die Tiefe der Sprachvielfalten vorzudringen. Dabei erstreckt sich die Bibliothek durch alle Arbeits- und Wohnräume der hier temporär lebenden Übersetzer:innen: Sie bildet im besten Sinn das Gerüst eines Hauses, das für kulturelle Vielfalt steht. Als eine weitere Besonderheit verleiht das EÜK in Kooperation mit der Kunststiftung NRW seit 2001 den von der Kunststiftung NRW ausgelobten Straelener Übersetzerpreis: Er zeichnet neben einer herausragenden literarischen Übersetzung auch das Lebenswerk der Übersetzerin oder des Übersetzers aus und gehört mit einem Preisgeld von 25.000 Euro zu den höchstdotierten Literaturpreisen im deutschsprachigen Raum. 2018 würdigt der Straelener Übersetzerpreis der Kunststiftung NRW eine herausragende literarische Übersetzung aus der deutschen in die englische Sprache und wurde am 12. Juni 2018 im EÜK an die Übersetzerin Katy Derbyshire vergeben. Derbyshire, 1973 in London geboren, studierte Germanistik in Birmingham und London und lebt seit 1996 in Berlin. Sie übersetzt deutschsprachige Gegenwartsliteratur ins Englische, schreibt über deutsche Bücher und unterrichtet literarisches Übersetzen. Darüber, welche Chancen das literarische Übersetzen ermöglicht, sprach Christina Irrgang mit Katy Derbyshire einige Tage vor der Preisverleihung.

 
CI: "What is a good translation?" Diese Frage haben Sie sich wie auch einigen Ihrer Kolleg:innen gestellt – ihre differenzierten Reflexionen über textliche Nähe oder den lyrischen Eigenwert der Sprache finden sich in einem Beitrag in Ihrem Blog love german books. Zu welchen Überlegungen sind Sie dabei gekommen? Was schätzen Sie am Übersetzen literarischer Werke, und wie würden Sie Ihre eigene Praxis des literarischen Übersetzens beschreiben?

KD: In Sachen "gute Übersetzung" bin ich – sind wir – noch am Überlegen. Ich glaube, jede gute Übersetzung ist auf ihre eigene Art und Weise gut. Wir Übersetzer:innen setzen uns ein Ziel, das geschieht nicht immer bewusst: Klangfarbe einfangen, Rhythmus erhalten, Humor hinüberretten, Dialoge glaubhaft übertragen ... Manchmal müssen wir Prioritäten setzen, zum Beispiel entweder Klang oder Inhalt betonen. Der Prüfstein könnte sein, ob unser Vorhaben gelingt. Es ist auch oft Geschmackssache, ob eine Übersetzung einer bestimmten Leserin oder einem Leser gefällt. Ich hoffe, wir können weiter darüber nachdenken und miteinander reden, und zwar anhand von positiven Beispielen, nicht durch Wortklauberei.
Was ich am Übersetzen schätze ist die Kreativität, die von uns gefordert wird, allerdings in einem festgesteckten Rahmen. Jemand anders hat das Buch schon geschrieben – alle Achtung, Schreiben ist irre schwer, eigentlich eine Unmöglichkeit! Und wir haben "lediglich" die zweite unmögliche Aufgabe, das Buch in einer anderen Sprache neu zu schreiben, alle Nuancen zu erkennen und wiederzugeben, das gleiche Leseerlebnis wie in der Originalversion zu ermöglichen. Dafür probieren wir aus, verbiegen und verschieben Grenzen, tricksen, manipulieren, überlegen, kommen der Äquivalenz so nah wie möglich. So würde ich vielleicht meine eigene Praxis beschreiben. Übersetzer:innen sind in der Regel pragmatisch optimistische Menschen. Wir wissen eigentlich: das, was wir machen, ist nahezu unrealisierbar. Wir machen es trotzdem.

CI: Sie verbinden nicht nur Sprachen miteinander, wie mit Ihrer Übersetzung des Buches "Im Stein" von Clemens Meyer (im Englischen "Bricks and Mortar"), für die Ihnen der Straelener Übersetzerpreis der Kunststiftung NRW zugesprochen wurde. Sie schaffen mit Ihrer Arbeit eine interkulturelle Verständigung zwischen Menschen, ganz konkret zwischen Leser:innen in Deutschland und Großbritannien.
Welche Grenzen, wie sie sich im Zuge des "Brexit" – dem geplanten Austritt Großbritanniens aus der EU – abzeichnen, vermögen Sie durch das Übersetzen zeitgenössischer Literatur vom Deutschen ins Englische zu überwinden? Welche Chancen und Möglichkeiten sehen Sie, die insbesondere Sie als literarische Übersetzerin zum Erhalt des freien Denkens über politisch forcierte Barrieren hinaus beitragen können?

KD: An dieser Stelle hält sich mein pragmatischer Optimismus in Grenzen. Übersetzte Literatur erreicht in Großbritannien eine relativ kleine Leserschaft, die schon offen für Fremdes ist. Zwar versetzt man sich durch die Lektüre in das Leben von anderen, und das können meinetwegen Figuren aus Deutschland oder Nigeria oder Mexiko sein. Es schadet sicher nicht, daran erinnert zu werden, dass auch Ausländer:innen Gefühle haben. Aber andere Faktoren werden viel größeren Einfluss haben: Mit wem gehen die eigenen Kinder zur Schule, wo kommt die Krankenschwester her, die einen pflegt, wie sind die polnischen Nachbarn drauf? Literatur wird niemals den unvermittelten menschlichen Kontakt ersetzen. Es sind Menschen, die miteinander auskommen müssen und die politische und alltägliche Lösungen finden müssen.
Ich hoffe, Brit:innen werden noch reisen und Ausländer:innen werden noch nach Großbritannien einreisen dürfen. Ich hoffe, die britische Wirtschaft kollabiert nicht komplett und die Menschen dort werden noch Bücher kaufen und verlegen. Ich hoffe, ich kann meine Arbeit weitermachen. Ich bilde mir nicht ein, damit eine große Wirkung zu erzielen. Aber ich sehe, dass jüngere Generationen sowieso offener als ihre Eltern sind – und ich weiß, dass diese Menschen die Zukunft prägen werden, ob sie internationale Literatur lesen oder skandinavische Krimiserien schauen oder mit dem Billigflieger am Wochenende nach Berlin kommen. Für viele jüngere Leute sind Grenzen kaum noch von Belang.

CI: Über die Stimmen der Autor:innen, deren Bücher Sie durch Ihre Übersetzungen im englischen Sprachraum zugänglich machen und somit stärken, können Sie auch darüber entscheiden, welche Themen Sie Ihrer Leserschaft zugänglich machen, das heißt welche Bücher bzw. Inhalte Sie übersetzen und in den Diskurs bringen. Sie unterrichten darüber hinaus literarisches Übersetzen.
Welche Ihrer Übersetzungen waren für Sie von besonderer Relevanz und warum? An welcher Übersetzung arbeiten Sie aktuell und werden Sie dafür auch das Europäische Übersetzerkollegium in Straelen konsultieren? Was sind Ihre kommenden oder auch Ihre Übersetzerarbeit begleitenden Projekte?

KD: Das stimmt, etwa die Hälfte bis zwei Drittel der Bücher, die ich übersetze, sind Projekte, die ich selbst Verlagen vorgeschlagen habe. Das klappt nicht immer, sonst hätte ich viel mehr ausgefallene Literatur übersetzt und viel mehr Bücher von befreundeten Autor:innen ... Aber ja, wenn Sie mögen: Ich öffne die Tür zu den Gatekeepern selbst, und ich bilde andere aus, das ebenfalls zu tun. Eine große Verantwortung!
Ich schaue nicht bewusst nach relevanten Themen; ich möchte am liebsten einfach Bücher übersetzen, die ich liebe, aus welchem Grund auch immer. Manchmal liegt das an der thematischen Relevanz: Ich arbeite zum Beispiel gerade am letzten Schliff für Olga Grjasnowas Roman "Gott ist nicht schüchtern" über zwei Menschen aus Syrien, die nach Deutschland kommen. Für Leser:innen in Großbritannien ist das Buch hoffentlich auch deswegen interessant, weil das Land kaum Flüchtende aufgenommen hat. Grjasnowa erlaubt uns, zwei Leben zu verfolgen, die uns am Anfang sehr bekannt vorkommen: eine Schauspielerin und einen Arzt. Dann kommen allerdings Revolution, Repressionen und Krieg, Flucht und ganz andere Lebensweisen.
Bei Clemens Meyer ist das, was ich liebe, allerdings die Erzählweise, die Wucht und Experimentierfreudigkeit, mit der er schreibt – obwohl auch er Themen wie Ausbeutung und Rassismus aufgreift. Mein nächstes Projekt wird seine zweite Kurzgeschichtensammlung sein, "Die stillen Trabanten". Meine übergeordnete Hoffnung im Hintergrund ist, dass ehrgeizige, gute, Grenzen verschiebende Schreibende in aller Welt sich gegenseitig lesen und befruchten werden, egal wo sie sind. Im Moment nehmen viele deutschsprachige Autor:innen ihre Inspiration aus dem englischsprachigen Raum – vor zehn Jahren war zum Beispiel Raymond Carver noch ein großes Vorbild, jetzt sind es vielleicht eher Rebecca Solnit oder Joan Didion. Warum soll diese Beeinflussung nicht beidseitig werden?
Zu meiner Schande war ich noch nie vorher in Straelen. Höchste Zeit, das zu ändern!

 
Weitere Informationen:
https://www.euk-straelen.de/

Literatur

Mit ihrer Literaturförderung unterstützt die Kunststiftung NRW die Produktion, Vermittlung und Präsentation literarischer Werke von hoher Qualität in und aus NRW.

Durch Arbeits- und Recherchestipendien, die Förderung von Publikationen und Editionen, Literaturfestivals, Lesereihen und besonderen literarischen Vorhaben bieten wir der Literaturlandschaft Nordrhein-Westfalens eine breitgefächerte Unterstützung, die die Vielfalt des literarischen Lebens vor Ort stärkt und sichtbar macht und über die Grenzen des Landes hinausträgt. Ein Schwerpunkt liegt dabei im Bereich der literarischen Übersetzung, mit dem Anspruch, den internationalen Kulturtransfer zu befördern und mit neuen Akzenten zu versehen.

  • Förderung
  • Stiftungsinitiativen

    • Straelener Übersetzerpreis der Kunststiftung NRW

      Mit diesem Preis zeichnen wir herausragende literarische Übersetzungen und das Lebenswerk der Übersetzenden aus.

      In der Überzeugung, dass nur gelungene Übersetzungen literarischer Texte die Begegnung mit Weltliteratur, die Einfühlung in das Fremde und einen internationalen Kulturtransfer ermöglichen, hat die Kunststiftung NRW 2001 in Kooperation mit dem Europäischen Übersetzer-Kollegium Straelen den mit 25.000 Euro dotierten Straelener Übersetzerpreis ins Leben gerufen.

      Er zeichnet neben einer herausragenden literarischen Übersetzung zugleich das Lebenswerk der Übersetzenden aus und gehört zu den höchstdotierten Literaturpreisen im deutschsprachigen Raum. Seit 2012 vergeben wir zusätzlich einen Förderpreis in Höhe von 5.000 Euro.
       

    • Straelener Atriumsgespräche

      Wir fördern Werkstattgespräche zwischen Autor:innen und ihren internationalen Übersetzer:innen.

      Im Rahmen der internationalen Veranstaltungsreihe Straelener Atriumsgespräche – initiiert von der Kunststiftung NRW und dem Europäischen Übersetzer-Kollegium Straelen – arbeiten zweimal jährlich herausragende deutschsprachige Autor:innen über mehrere Tage mit ihren ausländischen Übersetzer:innen an aktuellen Werken.

      Die Kunststiftung NRW unterstützt mit diesem beispielgebenden Projekt die künstlerische Arbeit der Literaturübersetzer:innen und trägt dazu bei, Fehler und Missverständnisse im Sprach- und Kulturtransfer zu vermeiden. Die Rezeption deutschsprachiger Literatur im Ausland wird damit gefördert und die Qualität übersetzter Literatur generell gesteigert.

      Weitere Informationen www.euk-straelen.de
       

    • Thomas-Kling-Poetikdozentur

      Wir berufen namhafte Autor:innen und Übersetzer:innen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur als Gastdozent:innen an die Universität Bonn.

      Als besonderes Förderprojekt wurde im Jahr 2011 die Thomas-Kling-Poetikdozentur an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn eingerichtet. Namhafte Autor:innen und Übersetzer:innen werden mit einem Stipendium ausgestattet, das ihnen eigene Lehrveranstaltungen ermöglicht. Die Auswahl treffen Vertreter:innen der Kunststiftung NRW und der Universität Bonn. Mit dieser spezifischen Autorenförderung wird eine Brücke zwischen Wissenschaft und Literatur geschlagen. Die Studierenden können nicht nur Einblick in eine künstlerische Schreibwerkstatt nehmen, sondern sich auch mit der ästhetischen Theorie lebender Autor:innen wissenschaftlich auseinandersetzen.

      Der Lyriker und Essayist Thomas Kling (1957-2005), nachdem die Dozentur benannt ist, war eine Ausnahmeerscheinung unter den deutschsprachigen Dichtern seiner Generation, ein Meister der sprachlichen Inszenierung. Beeinflusst von Autoren wie H. C. Artmann, Ernst Jandl und Paul Celan schuf er ein poetisches Werk, mit dem er maßgeblichen Einfluss auf die deutschsprachige Lyrik nach 1990 nahm: Klings Gedichtbände waren wegweisend für seine Zeitgenossen, ebenso seine spektakulären Auftritte. Thomas Kling war im Rheinland verwurzelt. Seinem radikalen Geist und seinem kompromisslosen Künstlertum fühlt sich die Kunststiftung NRW in besonderer Weise verpflichtet. Seit Klings frühem Tod im Jahr 2005 helfen wir, sein Erbe zu bewahren, und unterstützten Aktivitäten des Thomas-Kling-Archivs auf der Raketenstation Stiftung Insel Hombroich. 2015 erschien die Höredition "Die gebrannte Performance" in der Schriftenreihe Literatur der Kunststiftung. 2020 wurde die große vierbändige Thomas-Kling-Werkausgabe im Suhrkamp Verlag mit Mitteln der Kunststiftung NRW ermöglicht.
       

    • Residenzen
      • Atelier Galata

        Wir vergeben für einen Zeitraum von bis zu sechs Monaten ein Residenzstipendium im Bereich Literatur in Istanbul.

        Ziel des Stipendiums ist es, die Literaturlanschaft vor Ort kennenzulernen, Kontakte zu knüpfen, Ideen auszutauschen, Anregungen für das eigene Schreiben zu gewinnen und diese Impulse in die jeweiligen Arbeitskontexte in Nordrhein-Westfalen einzubringen. Die Ausschreibung ist nicht alterslimitiert. Sie richtet sich an professionelle Autor:innen mit Lebensmittelpunkt in Nordrhein-Westfalen, die bereits öffentliche Anerkennung erfahren haben und erste literarische Veröffentlichungen vorweisen können.
         

    • Publikationen
      • Schriftenreihe Literatur

        In ihrer Schriftenreihe Literatur stellt die Kunststiftung NRW Autor:innen des Landes vor und bietet einen Publikationsort auch für ausgefallene literarische Vorhaben, die unmittelbar aus Förderprojekten der Stiftung hervorgehen. Sie dokumentiert herausragende, von der Stiftung initiierte literarische Vorhaben und verleiht der Literaturszene NRW Sichtbarkeit.

    • Partnerschaften
      • Europäisches Übersetzer-Kollegium Straelen

        Wir verleihen in Zusammenarbeit mit dem Europäischen Übersetzer-Kollegium den Straelener Übersetzerpreis der Kunststiftung NRW, veranstalten Atriumsgespräche und fördert Aufenthaltsstipendien und Werkstätten für Übersetzer:innen.

        Um den internationalen Kulturtransfer zu stärken und mit neuen Akzenten zu versehen, setzt die Kunststiftung NRW einen Schwerpunkt ihrer Tätigkeit mit der Förderung des literarischen Übersetzens. Diese Förderpraxis wird getragen von der Überzeugung, dass nur gelungene Übersetzungen literarischer Texte die Begegnung mit Weltliteratur, die Einfühlung in das Fremde und einen intensiven, internationalen Austausch zwischen den Kulturen ermöglichen. In diesem Sinne hat die Stiftung mit dem Europäischen Übersetzerkollegium Straelen den mit 25.000 Euro dotierten Straelener Übersetzerpreis der Kunststiftung NRW ins Leben gerufen. Darüber hinaus fördert die Kunststiftung Aufenthaltsstipendien im Europäischen Übersetzer-Kollegium und finanziert die Straelener Atriumsgespräche zwischen Autor:innen und ihren Übersetzer:innen. Außerdem fördert die Kunststiftung NRW die Übersetzerwerkstatt ViceVersa.
         

      • Künstlerdorf Schöppingen

        Wir vergeben in Zusammenarbeit mit der Stiftung Künstlerdorf Schöppingen Aufenthaltsstipendien im Bereich Literatur im Künstlerdorf Schöppingen.

        Das Künstlerdorf versteht sich gleichermaßen als Arbeitsort für Kunstschaffende aller Sparten und als künstlerisches Projekt-Laboratorium, das eine intensive Kommunikation zwischen den Disziplinen ermöglicht. Die Stipendiat:innen leben und arbeiten für die Zeit von maximal sechs Monaten im Künstlerdorf Schöppingen. Die Stipendien sind international ausgeschrieben und mit einer Residenzpflicht verbunden.

        Bewerbungen:
        https://www.stiftung-kuenstlerdorf.de/
         

    • Sonderfonds 2021

      Wir legen ein weiteres Unterstützungsprogramm auf, um die Folgen der Pandemie aufzufangen.

      Anträge auf Sonderförderung im Rahmen von "Künste bewegen – Sonderfonds 2021" können vom 1. Mai bis zum 31. Dezember 2021 ausschließlich digital gestellt werden. Über die Anträge wird fortlaufend beraten und nach den Qualitätsmaßstäben der Kunststiftung NRW befunden.
       

      • Schreib- und Rechercheprojekte,
        Publikationen und deren Präsentation

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      • Pandemiebedingte Maßnahmen,
        auch für bereits bewilligte Projekte

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