PBF 2021

Pina Bausch Fellowship
for Dance and Choreography
2021

 

Ade Suharato
ist eine in Australien geborene Tänzerin und Choreografin mit indonesischen Wurzeln. Ihre Ausbildung, Forschung und Praxis folgt dem Geist von Chandralekha, der indischen modernistischen Choreografin, die die klassische indische Tanzform Bharatanatyam radikalisierte. Ade ist an der Erforschung des Zeitgenössischen im asiatisch-pazifischen Raum anhand lokaler Formen interessiert und hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten dafür Zeit und Raum in ihrer Praxis genommen. Ihre choreografischen Arbeiten wurden bereits in Australien, Indonesien, Belgien und Großbritannien präsentiert.

Kooperationspartnerin: Für ihr digitales Fellowship wird Ade mit Padmini Chettur zusammenarbeiten, einer in Chennai (Indien) lebenden Choreografin und Performerin, die ihre Karriere im zeitgenössischen Tanz bei Chandralekha begann. Gemeinsam werden sie in einen multimodalen Austausch treten, der auf einer abgestimmten Politik und Sensibilität rund um eine nicht-kolonialisierte Denkweise basiert. Über einen Zeitraum von 12 Monaten werden sie ihren Forschungsund Probenprozess beobachten, Einblicke in Bewegungsuntersuchungen teilen, ihr Umfeld kontextualisieren und ihre individuellen jüngsten Arbeiten als Fallstudien betrachten.

 

Aïda Colmenero Dïaz
ist eine in Madrid geborene Künstlerin, Schauspielerin, Choreografin, Tänzerin, Filmemacherin und Kuratorin für darstellende Künste mit galizischer Abstammung. Ihre Arbeiten basieren auf kollektiven kreativen Prozessen. In den letzten zehn Jahren hat Aïda durch verschiedene Projekte starke Verbindungen mit dem afrikanischen Sektor der darstellenden Künste entwickelt. Unterstützt von zahlreichen nationalen und internationalen Institutionen, verbindet sie darüber hinaus ihren Beruf als Kunstschaffende mit ihrer pädagogischen Tätigkeit, indem sie Workshops und Meisterklassen in zahlreichen Zentren und Universitäten in Europa, Lateinamerika und Afrika gibt.

Kooperationspartner: Aïda wird mit António Tavares zusammenarbeiten, Choreograf aus Mindelo (Kap Verde) und eine der Schlüsselfiguren in der Geschichte des zeitgenössischen Tanzes auf dem afrikanischen Kontinent. In der Zusammenarbeit mit António Tavares möchte sie neue innere Räume erkunden, die sie mit ihrer eigenen choreografisch-vibrierenden Klangsprache verbindet. Gemeinsam werden sie die ganzheitliche Konstruktion eines Schöpfers erforschen und sich virtuell alle 15 Tage zur theoretischpraktischen Arbeit treffen.

 

Irina Demina
Nach ihrer Tanzausbildung in Moskau und Hamburg erhielt Irina Demina ihren Master in Choreografie am Hochschulübergreifenden Zentrum Tanz Berlin (HZT) und lebt seitdem in Berlin. Seit 2008 entwickelt sie ihre eigenen choreografischen Projekte und arbeitet als Tanzkünstlerin weltweit. Ihre Arbeit bezieht sich auf die Erforschung der Möglichkeiten und des Potenzials eines Dialogs zwischen traditionellen und digital stimulierten Choreografien, wobei sie moderne Technologien (wie Motion Capturing, maschinelles Lernen) nutzt, um choreografische Elemente von z.B. Volkstänzen zu erfassen und neu zu gestalten. Ihr Ansatz ist inspiriert vom Experimentieren mit Körperfiktionen und der Schaffung eines performativen Dialogs zwischen Analog und Digital, Tradition und Technologie, Fiktion und Realität, während sie an den Rändern zwischen Geschichte und Moderne, Sinn und Unsinn, Verführung und Abstoßung, (unbekannter) Vergangenheit und (ungewisser) Zukunft tanzt.

Kooperationspartner: Irina kooperiert mit dem in Singapur geborenen Choreografen und Videokünstler Choy Ka Fai. Im August 2021 wird sie Choy Ka Fai während des finalen Entwicklungsprozesses für sein Projekt Cosmic Wander begleiten, das die Kraft alter schamanischer Weisheiten und Traditionen mit VR-Technologien verbindet. Zwischen Oktober 2021 und Januar 2022 werden sie in einen virtuellen Austausch zum Thema "hybride" choreografische Praktiken treten.

 

Lorin Sookool
ist eine unabhängige südafrikanische Tänzerin, Choreografin und Moderatorin. Nach ihrem Abschluss an der University of Cape Town's School of Dance, ihrer Arbeit mit zwei lokalen zeitgenössischen Tanzkompanien (The Forgotten Angle Theatre Collaborative und The Playhouse Company) und ihrer siebenjährigen Tätigkeit in der Performance-Theaterbranche hat Sookool mit einer Reihe von Choreografen gearbeitet und ist sowohl lokal als auch international aufgetreten. Ihre Interessen reichen über Choreografie und Performance hinaus in den breiteren Bereich der Rolle, Position und Zugänglichkeit des Künstlers in der Gesellschaft, sowie dem Entschlüsseln der unbestreitbaren Körperpolitik, die der Arbeit zugrunde liegt – besonders im Zusammenhang mit Südafrikas sozio-politischen Kontexten.

Kooperationspartner: Für ihr Stipendium wird Lorin mit dem italienischen Choreografen Roberto Castello zusammenarbeiten, um ihre Sensibilität für Tanz und Tanzmachen zu erweitern und ihre Stimme als unabhängige südafrikanische Tanzkünstlerin zu schärfen. Neben diesem virtuellen Tanzaustausch wird Lorin das Stipendium auch nutzen, um eine kürzliche persönliche Tragödie durch Trauertherapie und Embodiment-Praxis mit zwei lokalen Therapeuten zu verarbeiten. Obwohl das Stipendium ausschließlich prozessorientiert ist, sieht Lorin es als eine Möglichkeit, persönliche Trauer zu verarbeiten und zu heilen, sowie als eine Gelegenheit, eine Erkundung in Richtung eines zukünftigen choreografischen Angebots zu beginnen. Das Stipendium ist für einen Zeitraum von drei Monaten geplant.

 

Sarah Friedland
ist eine Choreografin und Filmemacherin, die an der Schnittstelle von bewegten Bildern und bewegten Körpern arbeitet. Durch hybrides, tänzerisches und experimentelles Filmemachen, Mehrkanal-Videoinstallationen und ortsspezifische Live-Tanzperformances inszeniert und skriptet sie Körper und Kameras im Konzert miteinander, um die unentdeckten, verkörperten Muster des sozialen Lebens und der Körperpolitik zu erhellen und zu destillieren. In einem Forschungsprozess, der vorgefundene Bewegungen, Gesten und Haltungen aus Kino- und Archivmaterial, verkörperte Erinnerungen und zeitgenössische Tanzsprachen integriert, choreografiert sie durch Praktiken der Befragung, des Pre- und Re-Enactments, der Adaption und des Improvisationsspiels und formt Tänze mit unterschiedlichen Gemeinschaften von Performern und Bewegern - von professionellen Tänzern bis hin zu Gruppen von Senioren und Teenagern.

Kooperationspartner: Sarah arbeitet über einen Zeitraum von 14 Monaten mit den bewegungsbasierten interdisziplinären Künstlern Wen Hui und Eiko Otake zusammen. Während dieser Zeit werden sie sich alle zwei Monate für insgesamt acht Gespräche digital treffen. Durch ihre Zusammenarbeit möchte Sarah ihre Untersuchung der Beziehung zwischen verkörperter Erinnerung, Choreografie und nicht-fiktionalen Filmpraktiken erweitern.

Performing Arts

Wir fördern die Realisierung herausragender Produktionen, internationale Kooperationen und Publikationen. Produktionshäuser, die sich als impulsgebende Zentren für ästhetische und gegenwartskritische Fragestellungen positionieren, unterstützen wir ebenso, wie die Arbeit wegweisender Festivals.

Um der weitverzweigten künstlerischen Praxis im Feld der Performing Arts ein Forum zu geben, Weiterqualifizierung und Forschung zu ermöglichen, fördern wir transdisziplinäre Arbeitsformen, Netzwerke und Diskurse ebenso wie Residenzen und Freiräume für Theorie und Reflexion, so zum Beispiel durch die Vergabe von Recherchestipendien sowie Stipendien zur künstlerischen Forschung.

Im Sinne einer nachhaltigen Förderpolitik entwickeln wir gemeinsam mit zukunftsweisenden Institutionen und Kunstschaffenden signifikante mehrjährige Initiativen.

  • Künstlerischer Beirat
    2022-2023

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  • Förderung
    • Allgemeine Vorhaben
    • Stipendien
    • Residenzen
      • Atelier Galata, Istanbul

        Die Kunststiftung NRW vergibt ein Residenzstipendium im Bereich Performing Arts in Istanbul.

        Ziel des Stipendiums ist es, die Kunstszene vor Ort kennenzulernen, Kontakte zu knüpfen, transdisziplinäre Arbeitsmethoden zu erproben, Ideen auszutauschen und diese Impulse nach der Rückkehr in die jeweiligen Arbeitskontexte in Nordrhein-Westfalen einzubringen. Die Ausschreibung ist nicht alterslimitiert. Sie richtet sich an professionelle Tanz- und Theaterschaffende mit Lebensmittelpunkt in Nordrhein-Westfalen, die bereits öffentliche Anerkennung erfahren haben.
         

  • Stiftungsinitiativen

    • Christoph-Schlingensief-Gastprofessur

      Die Kunststiftung NRW initiierte 2015 eine Gastprofessur für den Masterstudiengang Szenische Forschung an der Ruhr-Universität Bochum, die es ermöglicht, international renommierte Künstler:innen und Kollektive einzuladen, um hier mit den Studierenden an aktuellen Fragestellungen der darstellenden Künste zu arbeiten.

      Auf diese Weise verbinden sich Forschung und Vermittlung von theoretischen und angewandten Kompetenzen mit dem Ziel, den künstlerischen Nachwuchs in NRW durch externe Exzellenz professionell zu unterstützen. Christoph Schlingensief als Namensgeber verweist auf die ästhetische und künstlerische Diversität der Professur – sie ist spartenübergreifend und experimentell konzipiert.

      Bewerbungen:
      https://szenische-forschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de/christoph-schlingensief-gastprofessur/
       

    • Christoph-Schlingensief-Dozentur

      Seit dem WS 2018/19 vergibt die Kunststiftung NRW gemeinsam mit dem Masterstudiengang Szenische Forschung an der Ruhr-Universität Bochum kontinuierlich und spartenübergreifend eine einsemestrige Dozentur an herausragende, in Nordrhein-Westfalen beheimatete Künstler:innen.

      In mehreren, thematisch unterschiedlichen Blöcken arbeiten sie mit den Studierenden sowohl praktisch als auch theoretisch. Ausgangspunkt soll die jeweilige Ästhetik und Methodik der eingeladenen Künstler:innen und deren berufliche Erfahrungen im Kontext der Gegenwartskünste sein.

      Bewerbungen:
      https://szenische-forschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de/christoph-schlingensief-dozentur/
       

    • Christoph-Schlingensief-Fellowship

      Seit 2020 vergibt die Kunststiftung NRW gemeinsam mit dem Masterstudiengang Szenische Forschung an der Ruhr-Universität Bochum Stipendien an Absolvent:innen.

      Das Christoph-Schlingensief-Fellowship soll Stipendiat:innen in der Phase nach dem Studienabschluss ermöglichen, künstlerisch-forschende Arbeitsweisen und Methoden produktionsunabhängig auszubauen, sich weiterzubilden, die Funktionsweisen des Marktes kritisch zu reflektieren und Kontakte zu relevanten Fachleuten oder Institutionen zu knüpfen bzw. zu intensivieren.
      Die Aufnahme ins Programm des Christoph-Schlingensief-Fellowships ist ausdrücklich nicht an die Durchführung künstlerischer Produktionen gebunden; vielmehr sollen tendenziell ergebnisoffene Projekte, die den Übergang vom Studium in die Professionalität erleichtern, gefördert werden.

      Aktuell keine Ausschreibung

      • Philipp Blömeke, Judith Philippa Franke und MFK Bochum
        Christoph-Schlingensief-Fellowship 2020

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    • Pina Bausch Fellowship for Dance and Choreography

      Die Kunststiftung NRW konzipierte gemeinsam mit der Pina Bausch Foundation das internationale Pina Bausch Fellowship for Dance and Choreography, das seit 2016 vergeben und international ausgeschrieben wird.

      Das Fellowship ermöglicht Tänzer:innen und Choreograf:innen weltweit, als Mitglied auf Zeit in einem Ensemble ihrer Wahl neue tänzerische Ausdrucksweisen kennenzulernen, sich mit den Arbeitsweisen von renommierten Choreograf:innen auseinanderzusetzen oder als Gast an einem Tanzinstitut zu hospitieren. Dies soll dazu beitragen, ihr eigenes Bewegungsrepertoire zu erweitern und neue, individuelle Ausdrucksweisen zu finden. Der Aufenthalt dauert zwischen drei und sechs Monate und umfasst eine monatliche Zuwendung sowie die Reisekosten. Es werden bis zu vier Stipendien pro Jahr vergeben. Die Erfahrungen dieser Prozesse und ihre Arbeitsergebnisse stellen die Stipendiat:innen abschließend beim jährlichen "Meet the Fellows" in Wuppertal öffentlich vor. Die Auswahl der Stipendiat:innen erfolgt durch eine eigens zusammengestellte Jury.

      Bewerbungen:
      https://fellowship.pinabausch.org/
       

    • Mentoring Programm

      Die Kunststiftung NRW initiierte gemeinsam mit dem Landesbüro Freie Darstellende Künste in Dortmund ein Mentoring-Programm für freie Ensembles und Kollektive aus Nordrhein-Westfalen. Das Mentoring-Programm richtet sich an Gruppen, Ensembles und künstlerische Kollektive in NRW, die seit Jahren professionell arbeiten.

      Es ermöglicht den von einer Jury ausgewählten Gruppen, für die Dauer von ca. einem Jahr produktionsunabhängig mit Mentor:innen ihrer Wahl zusammen zu arbeiten.

      Die Freien Darstellenden Künste haben sich trotz größtenteils schwieriger Arbeits- und Produktionsbedingungen in den letzten zehn Jahren zu einer stabilen zweiten Säule neben den traditionellen Institutionen der Stadttheater etabliert. Es mangelt dennoch nach wie vor an auskömmlichen Produktionsbedingungen, die zumindest die Honoraruntergrenze für Produktionszeiten garantieren. Es fehlen Förderformate, die kontinuierliches Arbeiten und die Weiterentwicklung des künstlerischen Profils abseits der eigentlichen Produktionen ermöglichen. Es ist unzweifelhaft, dass gute künstlerische Arbeit die Möglichkeit zur freien Reflektion über die eigene Arbeit braucht. Das Mentoring dient somit der Vertiefung und Erweiterung bestehender Arbeitsansätze und Konzeptionen als auch der Erschließung neuer Ideenfelder.

      Die Förderung ist daher ausdrücklich als Phase des Experiments deklariert: Außergewöhnliche, forschungsbasierte Vorhaben im Feld von Theorie und Praxis, transdisziplinäre Kollaborationen, wissenschaftliche Begleitung künstlerischer Konzeptionen etc. sind förderwürdig. Als Mentor:innen kommen Expert:innen aus allen dezidiert künstlerischen Bereichen, aber ausdrücklich auch aus ganz anderen Disziplinen wie den Wissenschaften, dem Sport, der Wirtschaft, etc. infrage. Die Arbeitsprozesse werden vom NRW Landesbüro begleitet und evaluiert.

      Bewerbungen:
      https://www.nrw-lfdk.de/
       

    • Publikationen
      • Postdramatisches Theater in Portraits
        Reihe im Alexander Verlag, 2020-2022

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      • Hofmann&Lindholm
        Nachgestellte Szene
        Theater der Zeit, 2020

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      • Raimund Hoghe
        Wenn keiner singt, ist es still
        Theater der Zeit, 2019

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  • Sonderfonds 2021

    Um die Folgen der Pandemie aufzufangen, hatte die Kunststiftung NRW das Unterstützungsprogramm "Künste bewegen – Sonderfonds 2021" aufgelegt. Aufgrund der hohen Nachfrage sind dessen Mittel bereits erschöpft.
    Vielen Dank für Ihr Verständnis.