Esra Canpalat

Literatur
plus eins
2025

Esra Canpalat

Auszug aus dem Roman: Sesler. Stimmen

Mein Vater kam aus der Erde dieses Dorfes, er hatte sie stets unter seinen Fingernägeln getragen. Ich hatte immer gedacht, es wäre der Dreck unter Tage gewesen, der sich halbmondförmig in seiner Nagelspitze abgesetzt hatte. Oder eigentlich wusste ich selbst das lange Zeit gar nicht, weil ich nicht begriff, was seine Arbeit überhaupt war. Ich wuchs inmitten all dieser in den Himmel ragenden rot- und grünangelaufenen Stahlbauten auf, deren Funktion ich nicht verstand. Ich wusste nur, mein Vater war nun Rentner, schlief den halben Tag auf der durchgesessenen Wohnzimmercouch und hatte dort irgendwo gearbeitet, ich konnte mit dem Finger darauf zeigen, ohne richtig zu wissen, was dieses ‚dort‘ überhaupt war. Bis ich Anlauf nahm, ihm Fragen zu stellen, bis er anfing, von allein zu erzählen, war ich bereits Ende zwanzig und er kurz davor, wieder in die Erde zurückzukehren, aus der er kam. Es brauchte seinen Tod, um zu verstehen, dass unter all dem Kohlestaub noch die Erde Ocaklıs lag.
    So viele Dinge hatten meine Schwestern und ich zu Lebzeiten meines Vaters nicht richtig gesehen. Zum Beispiel wie mein Vater, der sich sonst immer lautstark über den Rollsplitt auf schlechten Straßen ärgerte, kein Wort darüber verlor, wenn auf dem Weg ins Dorf ein Stein einen Riss in der Frontscheibe hinterließ. Wie er breit lächelte, wenn seine Nichten und Neffen sofort angerannt kamen und ihm die Hand küssten. Wie er genüsslich in eine frisch geerntete Gurke und ohne zu kauen direkt in ein Stück gözleme biss, das seine abla Pakize auf dem Blechofen zubereitet hatte, um beide Geschmäcker, die Frische und das Buttrige, in seinem Mund zu vereinen. Wie er nicht aufgab, den Weg zu seinem Pappelfeld zu finden, obwohl er immer wieder falsch abbog. Das alles nahmen wir wahr, zuckten auf der Rückbank zusammen, als der Stein die Scheibe traf, und wunderten uns, dass keine Wuttirade folgte, ekelten uns über seinen offenen Mund und sein lautes Schmatzen, verloren die Geduld, als er nach einer halben Stunde immer noch nicht sicher war, ob er den richtigen Weg zu seinen verfluchten Pappeln eingeschlagen hatte.
    Es hieß: Güzeli gören göz güzeldir. Das Auge, das das Schöne sieht, ist schön. In den Augen meines Vaters hatten wir keine schönen Augen. Er sagte, das Leben in Deutschland hätte unseren Blick getrübt. Dabei war er es gewesen, der uns doch dorthin gebracht hatte. Das Auge, das in die Ferne blickt, kann auch wieder zurückblicken. Wir hatten nichts, auf das wir zurückblicken konnten außer auf Blicke, die nicht unsere waren.
    "Das Dorf ist gut", sagte mein Vater. Ich hatte mich mit einem Aufnahmegerät vor ihn gesetzt. Wir wussten, dass es nur eine Frage der Zeit war, so oft fiel der Satz: "Wenn ich nicht mehr da bin". "Nicht alle mögen es im Dorf", hörte ich mich später sagen, als ich mir die Aufnahme erneut anhörte. Mein Vater schnalzte mit der Zunge. "Ach, die haben doch keine Ahnung. Wenn du erst mal deinen Doktor hast und dann Professorin wirst, dann bleibst du erst ein bisschen in Belekye, triffst Verwandte, machst in der Innenstadt deine Einkäufe – wie nennt ihr das, Shopping? Dann gehst du nach Kumculuk, machst dort deinen Strandurlaub. Aber danach gehst du mindestens für eine Woche ins Dorf. Dann setzt du dich schön vors Fenster und blickst auf den Garten und die Berge, die sich dahinter erstrecken. Warum? Damit die Leute im Dorf wissen, dass dieses Haus nicht leer steht!"
    Belekye – Ocaklı – Kumculuk – das war jahrelang die Geografie unserer Sommer. Über dieses Koordinantendreieck gingen unsere Ferien nicht hinaus, höchstens nur, wenn es sich beim Besuch der Familie mütterlicherseits in Sandaraca, anderthalb Stunden von Belekye entfert, kurzzeitig um ein Rechteck erweiterte. Das Haus meiner Großeltern, das Haus in Ocaklı, in dem mein Vater großgeworden war, war in den 80er Jahren abgebrannt. Mein Vater hatte daraufhin unweit vom Zentrum Belekyes in einem der hügeligsten Viertel der Stadt ein neues Haus für meine Großeltern gekauft. Nun lebten babaanne Arife und dede Nurettin im Untergeschoss, im Obergeschoss verbrachten wir unsere Sommer. Ende der 90er hatte mein Vater genug Geld zur Seite gelegt, um eine Ferienwohnung in Kumculuk, dem Badeort Belekyes, zu kaufen. Von da an verbrachten wir den kompletten Sommer dort, besuchten nur sporadisch meine Großeltern in Belekye und die Familie im Dorf.
Nachdem er endlich die Früchte seiner Arbeit geerntet hatte, wollte mein Vater wieder die Früchte seiner Kindheit schmecken. Er setzte sich in den Kopf, auf dem Grundstück in Ocaklı, wo es einst gebrannt hatte, das Haus zu bauen, das er so vermisst hatte. Er diskutierte lange mit meiner Mutter, aber sie gab schließlich nach. Ein Neubau, ein Fertighaus, das mit seiner Einteilung von Stallbereich unten, Wohnbereich oben und flachem Dach vorgab, genau wie die Nachbarhäuser zu sein, im Vergleich zu ihnen aber völlig aus der Reihe fiel. Der Stall war eine Garage, in der mein Vater seinen Toyota parkte, die Fassade voller Baupfusch, der sich sehr wahrscheinlich auch im Hausinneren fortsetzte.
Dieses Haus sollte nicht leer stehen, doch warum, das führte er nicht weiter aus. Ich versuchte, mehr über seine Kindheit in Ocaklı zu erfahren. Ich fragte nach Tieren. Er sagte, davon hatten sie viele. Ich fragte nach der Schule. Dem Thema wich er aus, erzählte nur, er sei Klassenvorsteher gewesen, habe die Kinder, die sich nicht zu benehmen wussten, diszipliniert. Geschichte sei sein Lieblingsfach gewesen. Erst als ich nachhakte. "Deine Großeltern meinten, es reiche, wenn mein älterer Bruder einen Abschluss hat und Lehrer wird, wer solle sich denn sonst später um das Grundstück im Dorf und die Felder kümmern? Den Bescheid für meine Lehrerausbildung haben sie abgefangen und weggeworfen." Zwischendrin hustete er immer wieder. Das, was ich von ihm am besten kannte. Trocken, ähnlich dem Klang seiner viel zu kleinen, zerschrundenen Füße, wenn er sie beim Fernsehen aneinanderrieb, und gleichzeitig feucht, wie das Gluckern aus der Tiefe eines Brunnens.
    Es war nicht so, dass mein Vater nicht wusste, wie man erzählte. Er war sich der Performativität des Moments bewusst, er wusste, er muss sich gewählt ausdrücken und bedacht sprechen, bis er irgendwann die Aufnahmesituation vergaß und wieder in seine übliche Sprechweise, in sein dialektales Türkisch rutschte. So redeten die meisten in der Provinz Belekye – eine Melodie, die ich einen Sommer für einen Tag beherrscht hatte. Es war merkwürdig zu hören, wie er zuvor versuchte, ein Hochtürkisch zu imitieren, das weder er noch ich sprachen.
    Mein Vater wusste, wie man eine Geschichte erzählt, aber er wusste auch, wie man eine Geschichte nicht erzählt.

Die Frage nach der Rückkehr, sie war immer Streitpunkt zwischen meinen Eltern gewesen. Meinen Vater hatte in Deutschland schon lange nichts mehr gehalten. Es machte ihn nervös, wenn Fahrettin am Telefon fragte, wann er denn jetzt endlich komme. "Die Maulbeeren im Garten fangen schon langsam an zu reifen, amca", sagte er. "Und was ist mit deinem Diabetes, Faik?", fragte meine Mutter. "Und deinem Herzen? Hier bist du gut versorgt, bekommst deine Medikamente. Wofür hast du denn jahrelang geschuftet? Und was ist mit den Kindern?"
"Kinder? Die sind doch alle erwachsen und gehen ihren eigenen Weg", sagte mein Vater.
"Doch nicht Seda, sie geht doch noch zur Schule. Wir können sie doch nicht allein lassen."
"Wozu hat sie denn große Schwestern? Ab und an können sie doch nach ihr sehen. Sie ist fast fertig mit der Schule, zwei Jahre noch, das schafft sie schon."
Der Kompromiss war die eine Hälfte des Jahres hier, die andere dort. Meistens machten sie sich dann Mitte April auf den Weg, verbrachten den Frühling in Belekye, den Sommer in Kumculuk, zwischendrin ein paar Tage im Dorf. Die ersten Herbsttage dann noch einmal eine Weile in Belekye, bevor es wieder zurück nach Deutschland ging.
Bereits am ersten Tag der Rückkehr zählte mein Vater die Tage bis zum April, saß verbittert vor dem Fernseher, schimpfte über die Geschmacklosigkeit der Orangenspalten, die ihm meine Mutter von der Seite reichte. Meine Jahreszeiten waren die Abwesenheit meiner Eltern und die Depressionen meines Vaters.
Ich würde lügen, würde ich sagen, ein halbes Jahr ohne Eltern gelebt zu haben, wäre in jeder Hinsicht schrecklich gewesen. Ich mochte es, in dieser Zeit nicht mehr im Takt meiner Eltern leben zu müssen; nicht mehr im Morgengrauen von den Wassergeräuschen im Bad aufzuwachen, wenn sie sich für das Morgengebet wuschen; nicht mehr das Wohnzimmer verlassen zu müssen, sobald mein Vater wieder nach Hause kam, weil er lieber türkisches Fernsehen gucken wollte. Ich mochte es, jederzeit meine Freundinnen bei mir empfangen zu können, zu trinken und zu feiern.
Was ich nicht mochte, war, ihnen das Handeln meiner Eltern erklären zu müssen; ihnen zu erklären, ohne es wirklich selbst zu verstehen, wie es meine Eltern innerlich zerriss, jahrelang die Blütezeit der Maulbeerbäume verpasst zu haben. Ich mochte es nicht, sie davon zu überzeugen, es nicht ihren Eltern zu sagen, die womöglich das Jugendamt eingeschaltet hätten. Ich mochte nicht die Stippvisiten von Tülay, wenn sie mir Geld vorbeibrachte und kontrollierte, ob ich die Wohnung sauber hielt, aber nie wirklich fragte, wie es mir ging. Noch weniger mochte ich die Kontrollanrufe meiner Mutter, ihr Misstrauen, wenn ich abends nicht ans Telefon ging, weil ich noch unterwegs war. Ich mochte nicht das eklig surrende Freizeichen, die Abstände zwischen jedem Ton, der immer wieder in mir die Hoffnung weckte, Ferda würde doch noch ans Telefon gehen. Und am wenigsten mochte ich diese Nächte, in denen ich in abgrundtiefe Spalten fiel, von denen ich in meinem jugendlichen Übermut immer wieder dachte, ich hätte sie bei meinem letzten Sturz schon so gut vermessen. Doch es tauchten immer wieder Ecken auf, die ich noch gar nicht ertastet hatte.
Ich fiel, wenn ein Wort im Klassenraum fiel. Erst geraunt, die Stimme nicht zuordenbar. Dann schlossen sich immer mehr Stimmen an, es wurde lauter, lauter. Ich fiel in dieses Wort hinein, verharrte in der Spalte, in die ich so perfekt passte, denn das Wort, es galt mir, meinem Körper, meinem Wesen. Ich verharrte eine Weile unbeweglich, bis ich merkte, wie meine Glieder taub wurden. Aber irgendwann begann ich mich langsam zu bewegen; angefangen bei den Zehen bis hoch in den Oberkörper kehrte langsam wieder Leben zurück. Ich versuchte, jeden noch so dunklen Teil auszuleuchten, dachte, wenn ich die Beschaffenheit dieses Wortes verstehe, verstehe, dass ich nicht in jedes Wort fallen muss, dann komme ich da schon raus. Ich vermaß und ich kam heraus und wusste nicht, dass das Selbstachtung hieß.
Tagsüber fiel ich nicht. Tagsüber, da riss ich mich zusammen, verzog kein bisschen die Miene, denn das wäre Anlass für mehr Worte, mehr Stimmengewirr gewesen. Tagsüber bereitete ich mich für den Sprung in die Nacht vor, wenn niemand mich sehen konnte, ich allein war, nur ich und das Wort und die Spalte.
Meine Jahreszeiten waren die Abwesenheiten meiner Eltern, die Depressionen meines Vaters, und dazwischen die Nächte, in denen ich stürzte. Es war nicht so, dass ich nicht zuvor schon gefallen war, wenn meine Eltern oder Schwestern anwesend waren. Auch wegen ihnen fiel ich, weil nicht nur ihr Schweigen mir galt. "Stell dich nicht so an." "Wie empfindlich du bist." "Du bist zu viel geworden." "Ich wusste doch, dass sie das nicht schafft." "Warum straft Gott mich so?" Aber ab und an, da gab es diese Momente, in denen mich meine Familie aus diesem Abgrund herausziehen konnte, manchmal ohne es zu wissen. Da kam meine Mutter ins Zimmer und stellte mir eine Tasse Tee und ein Stück Schokolade auf den Tisch. Da kniff mir mein Vater in die Wange, strich mir über meine Haare und sang lauthals: Yar saçların lüle lüle, yar benziyor beyaz güle. Ach, deine Haare sind so schön gelockt, sie gleichen einer weißen Rose. Da nahm Tülay mich am Wochenende mit zu sich und ließ mich bis spätabends Fernsehen schauen. Da half mir Ferda auf, entsorgte die Fotos, die ich zerrissen hatte, und sagte, alles werde gut, obwohl sie es selbst nicht glaubte. Aber wenn ich fiel und es fehlten die Stimmen zuhause und der Freiton hörte nicht auf zu tuten, dann hasste ich es nicht nur, ich zu sein. Ich hasste meine Eltern und ihre Sehnsucht nach Maulbeerbäumen, ich hasste sie für ihre schönen Augen, die nur Schönes sahen, ich hasste sie für ihre Blicke, die uns hierhergebracht hatten, Blicke die zurückblicken konnten, Blicke, die nie meine werden konnten.
Am nächsten Tag ging ich übermüdet und mit verkrusteten Augen in die Schule. Ich hielt bis Schulschluss durch, ich ging nach Hause. Ich schaltete das Radio an. Ich kochte Nudeln, setzte mich an den Küchentisch. Ich aß, ließ das Radio an, aus Rebellion, weil meine Mutter uns nie erlaubt hatte, mit Musik im Hintergrund zu Essen, aber auch, weil ich manchmal die Stille in der Wohnung nicht ertrug. Ich machte meine Hausaufgaben am Küchentisch und ließ das Radio weiterlaufen.

Wir danken Esra Canpalat für die Veröffentlichungsgenehmigung. Alle Rechte liegen bei der Autorin. © Esra Canpalat

Foto: Bozica Babic
Foto: Bozica Babic

Esra Canpalat
ist Autorin und Literaturwissenschaftlerin aus dem Ruhrgebiet. Sie studierte Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft und Kunstgeschichte an der Ruhr-Universität Bochum. Aus einer transkulturellen Position heraus schreibt sie Erzählungen, Essays, wissenschaftliche Artikel und Texte zu Kunst- und Kulturvermittlung. Sie interessiert sich für Autofiktion, Dokumentation, Erinnern und Transkulturalität. Canpalat ist Preisträgerin des „Förderpreis des Literaturpreis Ruhr 2021“ und wurde im Literaturwettbewerb "60 Jahre Migration aus der Türkei – Neue Hoffnungen" ausgezeichnet. Ihre Kolumne "Vom Rande aus" erschien online bei interkultur.ruhr. Derzeit arbeitet sie an ihrem ersten Roman.

Foto: Bozica Babic
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Martina Wunderer
geboren 1983 in Schlanders, Südtirol, ist Lektorin für deutschsprachige Literatur im Suhrkamp Verlag, Berlin. Sie hat Vergleichende Literaturwissenschaft und Kulturwissenschaft in Wien und Berlin studiert und arbeitete beim Online-Buchmagazin des Literaturhauses Wien und bei "39NULL – Magazin für Gesellschaft und Kultur". Sie leitet Schreibseminare, u. a. am Deutschen Literaturinstitut Leipzig, und wirkt als Jurorin, zuletzt beim Wortmeldungen Förderpreis.

Literatur

Mit ihrer Literaturförderung unterstützt die Kunststiftung NRW die Produktion, Vermittlung und Präsentation literarischer Werke von hoher Qualität in und aus NRW.

Durch Arbeits- und Recherchestipendien, die Förderung von Publikationen und Editionen, Literaturfestivals, Lesereihen und besonderen literarischen Vorhaben bieten wir der Literaturlandschaft Nordrhein-Westfalens eine breitgefächerte Unterstützung, die die Vielfalt des literarischen Lebens vor Ort stärkt und sichtbar macht und über die Grenzen des Landes hinausträgt. Ein Schwerpunkt liegt dabei im Bereich der literarischen Übersetzung, mit dem Anspruch, den internationalen Kulturtransfer zu befördern und mit neuen Akzenten zu versehen.

  • Förderung

    • Allgemeine Vorhaben
    • Stipendien
    • plus eins

      plus eins verbindet die Idee eines Masterclass-Programms mit konkret-bedürfnisorientierter Individualförderung.

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        Esra Canpalat (Mentee)
        Martina Wunderer (Mentorin)

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        Pedro Goncalves Crescenti (Mentee)
        Hendrik Otremba (Mentor)

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    • Residenzen
      • Atelier Galata, Istanbul

        Wir vergeben ein Residenzstipendium im Bereich Literatur in Istanbul.

        Die Ausschreibung richtet sich an professionelle Autor:innen mit Lebensmittelpunkt in Nordrhein-Westfalen, die bereits öffentliche Anerkennung erfahren haben und mindestens eine literarische Veröffentlichung vorweisen können – wahlweise in Buchform (Selbstverlag ausgeschlossen) oder in überregional relevanten Zeitschriften oder Anthologien. Bei Bewerber:innen aus dem performativen Bereich zählen auch entsprechende Auftritte/Inszenierungen in etablierten Kontexten. Sollten Sie aus dem Bereich Veranstaltungskuration stammen, bitten wir um eine vorherige Kontaktaufnahme (beratungLIT@kunststiftungnrw.de). Die Ausschreibung ist nicht alterslimitiert.
         

      • Jan van Eyck Academie, Maastricht

        Die Kunststiftung NRW hat ein neues, zweimonatiges Residenzstipendium an der Jan van Eyck Academie, Maastricht, eingerichtet.

        Das zweimonatige Aufenthaltsstipendium soll es Autor:innen ermöglichen, konzentriert an einem Projekt zu arbeiten und zugleich vom Angebot der renommierten Jan van Eyck Academie zu profitieren. Hierbei geht es explizit auch darum, die Möglichkeit des Austausches mit den anderen (internationalen) Residents aus sämtlichen Kunstformen zu nutzen.
        Die Ausschreibung ist nicht alterslimitiert. Sie richtet sich an professionelle Autor:innen mit Lebensmittelpunkt in Nordrhein-Westfalen, die bereits öffentliche Anerkennung erfahren haben und erste literarische Veröffentlichungen vorweisen können. Wünschenswert ist ein Interesse an transmedialen Verfahrensweisen oder auch ein Grenzgängertum zwischen den literarischen Formen und Ausdrucksweisen.

        • Literatur
          Antragsverfahren
          Jan van Eyck Academie, Maastricht

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        • Residenzstipendium
          Jan van Eyck Academie, Maastricht 2025
          Jennifer Eckert

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    • Förderbeispiele
  • Stiftungsinitiativen
    • Straelener Übersetzerpreis der Kunststiftung NRW

      Mit diesem Preis zeichnen wir herausragende literarische Übersetzungen und das Lebenswerk der Übersetzenden aus.

      In der Überzeugung, dass nur gelungene Übersetzungen literarischer Texte die Begegnung mit Weltliteratur, die Einfühlung in das Fremde und einen internationalen Kulturtransfer ermöglichen, hat die Kunststiftung NRW 2001 in Kooperation mit dem Europäischen Übersetzer-Kollegium Straelen den mit 25.000 Euro dotierten Straelener Übersetzerpreis ins Leben gerufen.

      Er zeichnet neben einer herausragenden literarischen Übersetzung zugleich das Lebenswerk der Übersetzenden aus und gehört zu den höchstdotierten Literaturpreisen im deutschsprachigen Raum. Seit 2012 vergeben wir zusätzlich einen Förderpreis in Höhe von 5.000 Euro.
       

    • Straelener Atriumsgespräche der Kunststiftung NRW

      Wir fördern Werkstattgespräche zwischen Autor:innen und ihren internationalen Übersetzer:innen.

      Im Rahmen der internationalen Veranstaltungsreihe Straelener Atriumsgespräche – initiiert von der Kunststiftung NRW und dem Europäischen Übersetzer-Kollegium Straelen – arbeiten zweimal jährlich herausragende deutschsprachige Autor:innen über mehrere Tage mit ihren ausländischen Übersetzer:innen an aktuellen Werken.

      Die Kunststiftung NRW unterstützt mit diesem beispielgebenden Projekt die künstlerische Arbeit der Literaturübersetzer:innen und trägt dazu bei, Fehler und Missverständnisse im Sprach- und Kulturtransfer zu vermeiden. Die Rezeption deutschsprachiger Literatur im Ausland wird damit gefördert und die Qualität übersetzter Literatur generell gesteigert.

      Weitere Informationen www.euk-straelen.de
       

    • Thomas-Kling-Poetikdozentur

      Wir berufen namhafte Autor:innen und Übersetzer:innen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur als Gastdozent:innen an die Universität Bonn.

      Als besonderes Förderprojekt wurde im Jahr 2011 die Thomas-Kling-Poetikdozentur an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn eingerichtet. Namhafte Autor:innen und Übersetzer:innen werden mit einem Stipendium ausgestattet, das ihnen eigene Lehrveranstaltungen ermöglicht. Die Auswahl treffen Vertreter:innen der Kunststiftung NRW und der Universität Bonn. Mit dieser spezifischen Autorenförderung wird eine Brücke zwischen Wissenschaft und Literatur geschlagen. Die Studierenden können nicht nur Einblick in eine künstlerische Schreibwerkstatt nehmen, sondern sich auch mit der ästhetischen Theorie lebender Autor:innen wissenschaftlich auseinandersetzen.

      Der Lyriker und Essayist Thomas Kling (1957-2005), nachdem die Dozentur benannt ist, war eine Ausnahmeerscheinung unter den deutschsprachigen Dichtern seiner Generation, ein Meister der sprachlichen Inszenierung. Beeinflusst von Autoren wie H. C. Artmann, Ernst Jandl und Paul Celan schuf er ein poetisches Werk, mit dem er maßgeblichen Einfluss auf die deutschsprachige Lyrik nach 1990 nahm: Klings Gedichtbände waren wegweisend für seine Zeitgenossen, ebenso seine spektakulären Auftritte. Thomas Kling war im Rheinland verwurzelt. Seinem radikalen Geist und seinem kompromisslosen Künstlertum fühlt sich die Kunststiftung NRW in besonderer Weise verpflichtet. Seit Klings frühem Tod im Jahr 2005 helfen wir, sein Erbe zu bewahren, und unterstützten Aktivitäten des Thomas-Kling-Archivs auf der Raketenstation Stiftung Insel Hombroich. 2015 erschien die Höredition "Die gebrannte Performance" in der Schriftenreihe Literatur der Kunststiftung. 2020 wurde die große vierbändige Thomas-Kling-Werkausgabe im Suhrkamp Verlag mit Mitteln der Kunststiftung NRW ermöglicht.
       

    • Publikationen
      • Schriftenreihe Literatur

        In ihrer Schriftenreihe Literatur stellt die Kunststiftung NRW Autor:innen des Landes vor und bietet einen Publikationsort auch für ausgefallene literarische Vorhaben, die unmittelbar aus Förderprojekten der Stiftung hervorgehen. Sie dokumentiert herausragende, von der Stiftung initiierte literarische Vorhaben und verleiht der Literaturszene NRW Sichtbarkeit.