Miedya Mahmod

Literatur
plus eins
2025

Miedya Mahmod

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Also
wo beginne ich am Besten

beim Mund, den hab ich ja schon,
also benutzt jetzt, damit beginne ich gerade,
also ich habe dich gefragt,
wo beginne ich, am Besten, einmal hier

Einmal hier, das sage ich jetzt einfach mal so,
hier war einmal ein Mund von Dort und jetzt, schau ihn an,
diese Rosenröte, diese Zähne, sechs Implantate wie Dornen im Fleisch, ein eisernes Lächeln,
das Sprechen daraus etwas gestählt, und, Selbstzahlerleistung, keine einzige Krone zu viel.
Yas queen, if‚ beauty is power, SMILE!
is its sword‘.

Einer, vielleicht kein Nachfahre John Rays, meinte mal: tolle Blowjoblippen, so modest,
aber soft, wie Kissen, plush, pucker up, fuck, if beauty is power, and smile is its sword, what’s the beauty in swords, if power is Stärke, Kraft, Macht, Leistung, Strom, Potenz, Gewalt, wie sieht das aus, dieses Lächeln der power, Stärke, Kraft, das Lächeln der Macht, Leistung, das Lächeln des Stroms, electrifying, lights up the whole room, das Lächeln der Potenz, had me gagged, das Lächeln der Gewalt; ist

"Bunt, auch wenn alle die gleiche Farbe tragen"; ist
eine weiße, blonde Figur im Anzug, zur Frau gemacht durch drei andere Körper,
rechts von ihr:
ein Schwarzer Körper, sonnenbebrillt in Krawatte, Face like a Men in Black 110-Promoposter.
Ganz rechts im Bild:
schwarzes Shirt, seriöse Businessbauchtasche, Knopf im Ohr, Kabel schwarz wie der Kopf, wie der gut gegroomte Bart, just your neatly shaved in fit shape but well-behaved Ottonorm-Ali.
Dazwischen:
schwarzes Shirt, casual Schutzweste, verhüllender Vollbart, ein Couperose-rot-weißes Gesicht, und 1, 2 Polizei serving that Ginger spice 3, 4, cropped Sides, mitten im Korpsgeist, reprasentation matters, Copper Cops sind mitgemeint;
ist dein Freund & Helfer;
das Lächeln der Gewalt; unter einer ganz spezifischen Art betroffen zu blicken, getragen von wohlmeinendem Nicken; in Visagen der Bekannten von Bekannten, die dich befremdlich fühlen lassen;
beim Pressetermin mit blitzenden Kameras vor staatsmännischen Handschlag, a Head of State-Dragrace zwischen face-lifted Kriegsverbrecherfratzen.

"Hands Up, Don’t Shoot!" so der Titel des Preface, das vom ersten Kapitel noch durch die Einleitung ("The Cost of Getting Better2) getrennt wird – oder verbunden -, in Jasbir K. Puars "The Right to Maim – Debility. Capacity. Disability."
Zitat:
"One striking aspect of the connective tissue between Ferguson and Gaza involved security practices mining the relationship between disability and death."

"Die kolonisierte Welt ist eine zweigeteilte Welt. Die Trennungslinie,
die Grenze, wird durch Kasernen und Polizeiposten markiert." schreibt Fanon.
Ich frage mich: wo steht die Klinik, wo das freie Krankenbett? Wo das UNCHR-Blau? Planen, die nur unterhalb der Grenze, semantisch, südlich der Kasernen und Polizeiposten – und nein, ich glaube nicht an die fixierte Himmelsrichtung –, als Zelte gelten.
Verstehen die Krankenhausbesuchszeiten des Nordens sich ihren zugeschriebenen Zeitzonen angehörig oder wissen sie um ihr aus-der-Zeit-gefallen sein, wissen sie, dass sie, allen Verschiebungen untereinander voraus, eine gemeinsame Schleife der wahrhaftig entrücktesten Stunden bilden?

Vom Blick auf die Lippen, von der ungefragten Hand in den Mund, von der vertrockneten Mutterzunge sei zu schweigen, wobei, ein Müh will sie sich ja zeigen, gerade außerhalb ihrer Besuchszeiten: Khest. Müde, Erschöpft – Khana. Haus. Khestakhana, Haus der Müden, Haus der Erschöpften.

Jeden Tag diese Pillen schlucken, wenn du Glück hast, Kapseln, sicher ist ein Medikament aber immer eine staubige Tablette ohne Überzug, bitter und wie dazu gemacht, am Rachen kleben zu bleiben, schnell Wasser drauf, Wasser, Wasser, hart Schlucken, den Kehlkopf wie einen Schaber versuchen gegen sich selbst zu stoßen, bloß runter damit, gut, dass deine Speiseröhre nicht sprechen kann, schade, dass sie trotzdem ständig Dinge von sich gibt.
In einer anderen Welt, ohne imperialen Hangover, ohne Königreich der Gesunden, Königreich der Kranken, Wartezimmer voller Unsterblicher, Preis ihrer Heilung: alles, was Leben ausmacht, Lob den Göttern in Weiß, den Kitteln der Authorität, Zwangsjacken nach PsychKG oder familiengerichtlichen Beschluss,
in einer anderen Welt bin ich nicht krank.
Bin ich erschöpft, müde, kein geduldiges Mundstück, aber mehr als ein Darm, der nicht alles verdauen will und kann, ein Magen, auf den etwas schlägt. Ein Nervensystem, so durchgebrannt, Schlaf selbst eine Indukation, die nicht geleistet werden kann.

Aber was erzähle ich eigentlich um den kalten Brei, die heiße Wickel, das Wechselbad der Atteste. Wir haben jetzt schon mindestens 2.5 Minuten hier verbracht und es gibt andere im Wartezimmer, es muss weitergehen, Kundenflow, ich werfe Ihnen gerne noch einen Evaluationsbogen hinterher beim Verlassen der Praxis, vorher noch kurz zu Ihrer Aufklärung –

Entlassungsmanagement:
Du schuldest der Welt einen Stoffwechsel, der all dies auflöst, alles erzählt, ohne das "Ich" zu opfern oder zum Helden zu machen. Aber alles, was du hast, ist eine Patientenakte, so dick wie lückenhaft, ein schlechtes Gedächtnis, schlechtere Erinnerungen zersetzten weiße Substanz, Medikamente ersetzen die hörende Hand, ein Stethoskop macht noch kein Ohr, die MRTs liefern Schnittbilder, aber keines davon setzt deine Teile, unsere Körper, irgendwie wieder zusammen.
Behalt deinen Mund, beruhig deinen Magen. Deine Haut, die rissige, trockene, die gedehnte und vernarbte, Schleim- und Hornhaut, ist keine Wand.

Also
beginnen
wir den Mund zu öffnen,
am besten sanft, möglichst mit der Angst,
denke ich nur über mich nach, denke ich an den Tod und denke ich an den Tod, denke ich an alle und denke ich an alle, habe ich Angst, also ende ich in dir, beginne ich mit einem "Wir", größer als die Summe aus Dir plus Mir,
tiefer als die Wunde, die mir dieser eine Körper,
so weit öffnen wir den Mund,
jede Diagnostik wird verschlungen, fest,
drücken wir Kompressen aus Nähe und künftigem Bindegewebe
auf diese Wunden, schlecht befestigte Grenzen, schuppende Netze und sterbende Zellen, auf unseren geteilten Körper, versehrten Körper, diesen weder heilen, noch Unheil, Körper, gerade so heilig wie verdammt, unser Körper, wir münden, beginnen, in dieser Wunde,
am Besten öffnen wir sie zusammen.

Wir danken Miedya Mahmod für die Veröffentlichungsgenehmigung.
© Miedya Mahmod

Foto: Bozica Babic
Foto: Bozica Babic

Miedya Mahmod,
geboren und wohnhaft im Ruhrgebiet. Seit 2016 Spoken Word-Artist und Lyriker:in, arbeitet auch kuratorisch und redaktionell. Miedya Mahmod ist Mitherausgeber:in von "LytterZine", der ersten Illustrierten für Lyrik auf Twitter, und wirkte an der Poetik-Klausur zu Spoken Word beim Literaturfestival "LeseLenz" in Hausach mit. 2022 nahm Miedya Mahmod an der Lyrikwerkstatt Open Poems im Haus für Poesie (Berlin) teil und ist Teil des Künstler:innenkollektivs "parallelgesellschaft" (Berlin Neukölln). Mahmod ist außerdem Teil der Lesebühne "Aufruhrgebiet – die revolutionäre Vorlesedemo" und gewann 2023 den Jurypreis beim 31. open mike.

Foto: Carolin Saage
Foto: Carolin Saage

Daniela Seel,
geboren 1974 in Frankfurt am Main, lebt als Autorin, Übersetzerin und Verlegerin von kookbooks in Berlin. Sie veröffentlichte die Gedichtbände "ich kann diese stelle nicht wiederfinden", "was weißt du schon von prärie" und "Auszug aus Eden", sowie gemeinsam mit Frank Kaspar das Radiofeature "was weißt du schon von prärie". Für ihre Arbeiten wurde sie vielfach ausgezeichnet – zuletzt mit dem Kleist-Preis (2025). Ihre Gedichte wurden in mehrere Sprachen übersetzt.

Literatur

Mit ihrer Literaturförderung unterstützt die Kunststiftung NRW die Produktion, Vermittlung und Präsentation literarischer Werke von hoher Qualität in und aus NRW.

Durch Arbeits- und Recherchestipendien, die Förderung von Publikationen und Editionen, Literaturfestivals, Lesereihen und besonderen literarischen Vorhaben bieten wir der Literaturlandschaft Nordrhein-Westfalens eine breitgefächerte Unterstützung, die die Vielfalt des literarischen Lebens vor Ort stärkt und sichtbar macht und über die Grenzen des Landes hinausträgt. Ein Schwerpunkt liegt dabei im Bereich der literarischen Übersetzung, mit dem Anspruch, den internationalen Kulturtransfer zu befördern und mit neuen Akzenten zu versehen.

  • Förderung

    • Allgemeine Vorhaben
    • Stipendien
    • plus eins

      plus eins verbindet die Idee eines Masterclass-Programms mit konkret-bedürfnisorientierter Individualförderung.

      • Literatur
        Antragsverfahren
        plus eins

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      • Literatur
        plus eins
        2025
        Esra Canpalat (Mentee)
        Martina Wunderer (Mentorin)

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      • Literatur
        plus eins
        2025
        Pedro Goncalves Crescenti (Mentee)
        Hendrik Otremba (Mentor)

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      • Literatur
        plus eins
        2025
        Miedya Mahmod (Mentee)
        Daniela Seel (Mentorin)

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      • Literatur
        plus eins
        2025
        Lisa Tracy Michalik (Mentee)
        Olivia Wenzel (Mentorin)

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    • Residenzen
      • Atelier Galata, Istanbul

        Wir vergeben ein Residenzstipendium im Bereich Literatur in Istanbul.

        Die Ausschreibung richtet sich an professionelle Autor:innen mit Lebensmittelpunkt in Nordrhein-Westfalen, die bereits öffentliche Anerkennung erfahren haben und mindestens eine literarische Veröffentlichung vorweisen können – wahlweise in Buchform (Selbstverlag ausgeschlossen) oder in überregional relevanten Zeitschriften oder Anthologien. Bei Bewerber:innen aus dem performativen Bereich zählen auch entsprechende Auftritte/Inszenierungen in etablierten Kontexten. Sollten Sie aus dem Bereich Veranstaltungskuration stammen, bitten wir um eine vorherige Kontaktaufnahme (beratungLIT@kunststiftungnrw.de). Die Ausschreibung ist nicht alterslimitiert.
         

      • Jan van Eyck Academie, Maastricht

        Die Kunststiftung NRW hat ein neues, zweimonatiges Residenzstipendium an der Jan van Eyck Academie, Maastricht, eingerichtet.

        Das zweimonatige Aufenthaltsstipendium soll es Autor:innen ermöglichen, konzentriert an einem Projekt zu arbeiten und zugleich vom Angebot der renommierten Jan van Eyck Academie zu profitieren. Hierbei geht es explizit auch darum, die Möglichkeit des Austausches mit den anderen (internationalen) Residents aus sämtlichen Kunstformen zu nutzen.
        Die Ausschreibung ist nicht alterslimitiert. Sie richtet sich an professionelle Autor:innen mit Lebensmittelpunkt in Nordrhein-Westfalen, die bereits öffentliche Anerkennung erfahren haben und erste literarische Veröffentlichungen vorweisen können. Wünschenswert ist ein Interesse an transmedialen Verfahrensweisen oder auch ein Grenzgängertum zwischen den literarischen Formen und Ausdrucksweisen.

        • Literatur
          Antragsverfahren
          Jan van Eyck Academie, Maastricht

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        • Residenzstipendium
          Jan van Eyck Academie, Maastricht 2025
          Jennifer Eckert

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    • Förderbeispiele
  • Stiftungsinitiativen
    • Straelener Übersetzerpreis der Kunststiftung NRW

      Mit diesem Preis zeichnen wir herausragende literarische Übersetzungen und das Lebenswerk der Übersetzenden aus.

      In der Überzeugung, dass nur gelungene Übersetzungen literarischer Texte die Begegnung mit Weltliteratur, die Einfühlung in das Fremde und einen internationalen Kulturtransfer ermöglichen, hat die Kunststiftung NRW 2001 in Kooperation mit dem Europäischen Übersetzer-Kollegium Straelen den mit 25.000 Euro dotierten Straelener Übersetzerpreis ins Leben gerufen.

      Er zeichnet neben einer herausragenden literarischen Übersetzung zugleich das Lebenswerk der Übersetzenden aus und gehört zu den höchstdotierten Literaturpreisen im deutschsprachigen Raum. Seit 2012 vergeben wir zusätzlich einen Förderpreis in Höhe von 5.000 Euro.
       

    • Straelener Atriumsgespräche der Kunststiftung NRW

      Wir fördern Werkstattgespräche zwischen Autor:innen und ihren internationalen Übersetzer:innen.

      Im Rahmen der internationalen Veranstaltungsreihe Straelener Atriumsgespräche – initiiert von der Kunststiftung NRW und dem Europäischen Übersetzer-Kollegium Straelen – arbeiten zweimal jährlich herausragende deutschsprachige Autor:innen über mehrere Tage mit ihren ausländischen Übersetzer:innen an aktuellen Werken.

      Die Kunststiftung NRW unterstützt mit diesem beispielgebenden Projekt die künstlerische Arbeit der Literaturübersetzer:innen und trägt dazu bei, Fehler und Missverständnisse im Sprach- und Kulturtransfer zu vermeiden. Die Rezeption deutschsprachiger Literatur im Ausland wird damit gefördert und die Qualität übersetzter Literatur generell gesteigert.

      Weitere Informationen www.euk-straelen.de
       

    • Thomas-Kling-Poetikdozentur

      Wir berufen namhafte Autor:innen und Übersetzer:innen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur als Gastdozent:innen an die Universität Bonn.

      Als besonderes Förderprojekt wurde im Jahr 2011 die Thomas-Kling-Poetikdozentur an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn eingerichtet. Namhafte Autor:innen und Übersetzer:innen werden mit einem Stipendium ausgestattet, das ihnen eigene Lehrveranstaltungen ermöglicht. Die Auswahl treffen Vertreter:innen der Kunststiftung NRW und der Universität Bonn. Mit dieser spezifischen Autorenförderung wird eine Brücke zwischen Wissenschaft und Literatur geschlagen. Die Studierenden können nicht nur Einblick in eine künstlerische Schreibwerkstatt nehmen, sondern sich auch mit der ästhetischen Theorie lebender Autor:innen wissenschaftlich auseinandersetzen.

      Der Lyriker und Essayist Thomas Kling (1957-2005), nachdem die Dozentur benannt ist, war eine Ausnahmeerscheinung unter den deutschsprachigen Dichtern seiner Generation, ein Meister der sprachlichen Inszenierung. Beeinflusst von Autoren wie H. C. Artmann, Ernst Jandl und Paul Celan schuf er ein poetisches Werk, mit dem er maßgeblichen Einfluss auf die deutschsprachige Lyrik nach 1990 nahm: Klings Gedichtbände waren wegweisend für seine Zeitgenossen, ebenso seine spektakulären Auftritte. Thomas Kling war im Rheinland verwurzelt. Seinem radikalen Geist und seinem kompromisslosen Künstlertum fühlt sich die Kunststiftung NRW in besonderer Weise verpflichtet. Seit Klings frühem Tod im Jahr 2005 helfen wir, sein Erbe zu bewahren, und unterstützten Aktivitäten des Thomas-Kling-Archivs auf der Raketenstation Stiftung Insel Hombroich. 2015 erschien die Höredition "Die gebrannte Performance" in der Schriftenreihe Literatur der Kunststiftung. 2020 wurde die große vierbändige Thomas-Kling-Werkausgabe im Suhrkamp Verlag mit Mitteln der Kunststiftung NRW ermöglicht.
       

    • Publikationen
      • Schriftenreihe Literatur

        In ihrer Schriftenreihe Literatur stellt die Kunststiftung NRW Autor:innen des Landes vor und bietet einen Publikationsort auch für ausgefallene literarische Vorhaben, die unmittelbar aus Förderprojekten der Stiftung hervorgehen. Sie dokumentiert herausragende, von der Stiftung initiierte literarische Vorhaben und verleiht der Literaturszene NRW Sichtbarkeit.