Pedro Goncalves Crescenti

Literatur
plus eins
2025

Pedro Goncalves Crescenti

Auszug aus dem Roman: Goethe und der Kaffee

   goethes stolz ist seine kaffeemaschine ein feines gerät aus dem letzten jahrtausend als kaffeemaschinen noch ohne schnickschnack und mit extrem wenig elektronik gebaut wurden mercedes k-klasse sein interesse für kaffee ist schrittweise ende seines studiums gekommen als er bei einem kommilitonen nennen wir ihn jeff hieß der jeff oder jonas zum ersten mal schmeckt was kaffee wirklich ist nicht die wässrige ekelplörre die er vier jahre lang in der mensa am automaten oder aus der thermoskanne im fachschaftsraum gezogen hat nein das was jeff ihm da serviert hat aroma hat persönlichkeit hat geschmack tiefe und komplexitität deren individualität sich im aromarad auffächert wie ein garten im viktorianischen london und noch während goethe jeff lauscht wie welche bohne ausgeröstet wird um welche eigenschaft des kaffees herauszuzaubern weiß goethe dass er das auch zu hause haben will so eine maschine so einen gusto so eine lebendigkeit im geschmack
    aber es dauert bis goethe den ersten schritt gehen kann weil kaffeemaschinen so teuer sind die erste ersteht er erst ein halbes jahr später also die erste gute klar hat goethe das typische studierendenarsenal an melittafilter und bialetti zu hause aber kein vergleich zu seiner ersten maserati eine filterkaffeemaschine die mit feinster sensorik das wasser mit gleichbleibender temperatur sind es vierundneunzig oder fünfundneunzig grad und gleichbleibender wassermenge über einen gleichmäßig rotierenden gießarm den kaffee auch gleichmäßig auskocht sodass am ende ein extrem homogenes kaffeeerlebnis steht wie es die röstmeister vorgesehen haben die seele der röstung paart sich also mit der seele der bohne und heraus kommt ein süßes rundgesichtiges aromababy
    woche um woche verputzt goethe mit begeisterung die kleinen zweihundertfünfziggrammbeutel immer die die er sich gerade leisten kann was kurz nach einstieg in den job natürlich dann die teuren über vierzig euro pro kilo sind und er macht sich eine freude daraus die kleinen unterschiede zu schmecken die versteckten eigenschaften der bohne und die vielfältige palette der mineralien der böden auf denen die kaffeepflanzen kultiviert werden die anbauhöhen und entsprechenden reifezeiten war da nicht sogar ein kaffee aus skandinavien dabei er kauft sich toxinfreie filter und gießt sie vorher mit kochendem wasser aus um auch den letzten bitterstoff heraus zu filtern er wird immer
fanatischer will ein immer reineres kaffeeerlebnis haben
    außerhalb trinkt er mittlerweile sowieso keinen
    mehr bei seinen eltern bittet er fortan lieber um schwarzen oder grünen tee oder hat kaffee in der thermoskanne für alle mitgebracht und sein innerstes verkrampft sich jedes mal wenn sein vater und seine mutter tonnenweise zucker hineingeben und einmal sagt er sogar etwas nämlich als sie zum kaffeeweißer greifen die milch ist aus sagt die mutter und goethe was sagst du da kaffeeweißer in meinen kaffee nicht a a nein und der vater schaut ungläubig und lächelt und zuckt mit den schultern na wir waren glücklich wenn wir überhaupt mal eine tasse echten bekamen denkt er sich und wir haben ihn zu sehr verwöhnt aber er liebt ihn den kaffee konnte goethe daraufhin noch weniger genießen als damals die scheißplörre in der mensa
    indessen steigt der arbeitsaufwand und goethe muss immer mehr investieren zeit und geld die wartung der maschine ist aufwändig entkalken reinigen aber auch lang und oft genug in betrieb lassen nicht zu eilig den kaffee ziehen die spulen müssen sich langsam aufheizen und dann und wann geht auch mal etwas kaputt und goethe verbringt so manchen freien abend zu hause am küchentisch mit allerlei werkzeug sogar löten hat er gelernt er lässt niemanden mehr an seine maschine seitdem sie von der ersten reparatur mit temperaturschwankungen zurückkam ein sensor war leicht verbogen worden und goethe stellte für sich fest dass nur leidenschaftliches engagement und liebevolle zuwendung zum erhalt seiner ähm ihrer funktionellen perfektion führt
    einige zeit später findet sich goethe jdeoch gelangweilt vor seiner maschine stehen mit leerem blick verfolgt er den gang des wassers hinauf durch den heizflur hinab in das kaffeepulver und danach je nach fülle je nach druck je nach trägheit und gravitation den fluss des kaffees in die kanne und goethe bemerkt in genau diesem moment
dass er ganz genau weiß was gleich passieren wird nämlich wie er die kanne aus der maschine nimmt die maschine noch nicht ausschaltet damit sie etwas abkühlen kann bevor er den stromfluss unterbricht wie er sich dann aus der kanne einen becher eingießt er sieht die farbe des kaffees vor sich wie er sich erst merkwürdig hell im becher sammelt und dann mit der menge doch noch dunkler wird die schlieren des kaffeeöls an der oberfläche wind nordost startbahn null drei wie er dann daran riecht
    er weiß schon wie es riechen wird er weiß schon wie sich das aroma durch die nase in seinen rachen verteilen wird und wie die einzelnen geschmacksknospen in seiner mund nasenhöhle die einzigartigen einzelheiten und besonderen besonderheiten des aromas unterschiedlich wahrnehmen werden er weiß sogar schon was er fühlen wird wie er den kaffee genießen wird wie er sich bei den ersten schlückchen verbrennt wie sich ein wohliges gefühl in seiner hohlen körpermitte ausbreitet und wie sich der stolz anfühlt und der leichte hochmut der sich einstellt wenn man zu den wenigen auserwählten gehört die das geheimnis kennen und tag für tag ein höheres erlebnis erschaffen eine weihe die anderen vielleicht für immer verwehrt bleibt und er merkt scheiße das macht mir keinen spaß mehr
    er lässt jetzt seine kaffeemaschine immer öfter stehen und trinkt immer öfter bei sara den kaffee der so schmeckt wie das kollektive gesellschaftliche bild des kaffeegeschmacks ist also komplett durchschnittlich derb bitter eindimensional aber es ist halt immer noch kaffee lieber eine geschmackliche eindimensionalität die mit
deutlich weniger aufwand verbunden ist als die eindimensionalität der funktionellen perfektion zu hause irgendwann trinkt er dann nur noch in der bäckerei
    und da passiert es eines tages schmeckt der kaffee anders als gestern
    das reißt goethe jäh aus seinem alltagsfilm
    er probiert
    noch einmal ja definitiv das schmeckt anders als gestern irgendwie bitterer aber auch kräftiger und er vergisst zu ächzen als er aufsteht und zu sara geht die ihm seine vermutung bestätigt sein über viele monate wenn nicht sogar jahre trainierter geschmackssinn trügt ihn nicht jedoch
    liegt er in einer vermutung daneben es ist keine neue bohne wir haben gestern eine neue kaffeemaschine bekommen sagt sarah und sieht ihn skeptisch an denn goethe befindet sich schon längst wieder in seinem kaffeefilm er denkt und kombiniert und seine augen fliegen von rechts nach links nach rechts und sein mund steht offen während er denkt und kombiniert die gleiche bohne anderer geschmack und er ist zum ersten mal seit wochen wieder überrascht und die überraschung entfacht das alte feuer er spürt ein flackern ein lodern einen kurzen funken in der bauchgegend er ist an etwas dran und er geht in gedanken versunken zur arbeit und starrt gefühlt acht stunden lang an den übergang zwischen wand und decke und
    als er nach hause geht spürt er seinen alten fanatismus endgültig wieder geweckt sein entdeckergeist es war nur ein kleiner winterschlaf nicht wahr ach lieber goethe so war es und zielstrebig schaltet sich in ihm das an was ich hier goethe modus nennen darf oder
    eine neue idee er verkauft seinen kaffeemaserati und findet nach einigen tagen in den obskuresten foren und einem ergebnislosen telefonat mit jeff oder jonas
    ach das das war doch nur eine phase man ich hab jetzt eine jura vollautomat die kann dir alles machen sogar die gesichter meiner kinder druckt die in den milchschaum
    die maschine mit der er es probieren möchte es ist wie gesagt ein älteres modell wenig elektronik robuste jedoch geschmackvolle bauweise und eine ideal geringe temperaturvarianz von vier grad celsius goethe findet sie gebraucht für etwas weniger geld als er mit dem verkauf der maserati eingenommen hat und findet sich kurz darauf
endlich in der küche wieder vor sich auf dem esstisch die neue maschine die eingangs erwähnte mercedes k-klasse seine hände zittern als er die gewohnten rituale mit ungewohnten handgriffen vollzieht doch als er die maschine einschalten will gibt es in ihrem inneren einen kleinen knall und etwas dampf tritt aus den schlitzen goethe flucht spürt jedoch einen freudenstich als er den schuhkarton mit den werkzeugen herausholt es wird ihm nicht einfach gemacht
    er schafft es tatsächlich die maschine zu reparieren ein alter kondensator den er austauscht oder ein elko oder so und schließlich verbindet er sie mit dem strom und dann endlich endlich schaltet er sie ein und schon kurz darauf ertönt das röchelnde blubbern des kochenden wassers das auf das kaffeepulver gegeben wird der kaffee schmeckt gut nicht perfekt etwas bitter etwas zu stark aber für einen ersten versuch erfrischend und was ganz wichtig ist so hat diese bohne noch nie geschmeckt und so schmeckt sie auch nicht mehr als goethe am nächsten morgen den nächsten kaffee zubereitet und am abend macht er sich sogar noch einen obwohl er weiß dass er probleme haben wird einzuschlafen einfach aber weil er den ganzen tag daran denken musste wie wohl die nächste tasse schmeckt und sie schmeckt wieder anders gut aber anders
    so geht es weiter und manchmal ist sogar eine tasse dabei die gar nicht so gut schmeckt aber der clou und das ist ja mittlerweile klar geworden ist dass die kaffeemaschine zwar nicht exakt arbeitet aber halt mit einer varianz die fast immer im toleranzbereich der aromabildung liegt und somit aus den gleichen bohnen ein anderes ergebnis entsteht und es ist diese varianz die den kaffee für goethe so genießbar macht die überraschung und die aufregung die die unvorhersehbarkeit mit sich bringt die wiederum goethe seine kaffeeidentität zurückgibt seine würde wie wird der kaffee wohl diesmal schmecken er weiß es nie und liebt genau das so viel dazu morgen kommt goethes neuer fernseher schon an

Wir danken dem Autor für die Veröffentlichungsgenehmigung.
© Pedro Goncalves Crescenti

Foto: Carolin Saage
Foto: Carolin Saage

Pedro Goncalves Crescenti,
geboren 1992 in Mainz studierte Germanistik, Anglistik und Italienisch in Mainz, Berlin und Bochum. Er ist Mitglied verschiedener Ensembles/Bands wie "The Düsseldorf Düsterboys" und "International Music" und wurde u.a. mit dem Newcomer Preises popNRW, des VUT Indie-Awads und des GEMA-Musikautorenpreises in der Kategorie "Nachwuchs" ausgezeichnet. Neben seiner Tätigkeit als Songwriter, Musiker und Produzent ist Pedro Goncalves Crescenti als freier Autor und Texter tätig, u.a. für ByteFM und das Magazin "Das Wetter". Er lebt und arbeitet in Essen und schreibt seinen ersten Roman.

Foto: Carolin Saage
Foto: Carolin Saage

Hendrik Otremba
wurde 1984 im Ruhrgebiet geboren. Er ist Schriftsteller, bildender Künstler und Sänger der Gruppe "Messer", mit der er seit 2010 zahlreiche Touren gespielt und bis heute sechs Alben veröffentlich hat. Zudem arbeitet er in Deutschland und der Schweiz als Dozent für Kreatives Schreiben und gelegentlich als Kurator. 2017 ist sein Debütroman "Über uns der Schaum" (Verbrecher Verlag) erschienen, im August 2019 folgte sein zweiter Roman "Kachelbads Erbe". Der dritte Roman "Benito" wurde 2022 bei MÄRZ veröffentlicht, wo 2023 auch sein Gedichtband "Wüstungen, Nebel" folgte, parallel zu seinem ersten Soloalbum "Riskantes Manöver" (Trocadero Records). Im Wintersemester 2023/24 hatte er die Poetikdozentur der Uni Münster inne.

Literatur

Mit ihrer Literaturförderung unterstützt die Kunststiftung NRW die Produktion, Vermittlung und Präsentation literarischer Werke von hoher Qualität in und aus NRW.

Durch Arbeits- und Recherchestipendien, die Förderung von Publikationen und Editionen, Literaturfestivals, Lesereihen und besonderen literarischen Vorhaben bieten wir der Literaturlandschaft Nordrhein-Westfalens eine breitgefächerte Unterstützung, die die Vielfalt des literarischen Lebens vor Ort stärkt und sichtbar macht und über die Grenzen des Landes hinausträgt. Ein Schwerpunkt liegt dabei im Bereich der literarischen Übersetzung, mit dem Anspruch, den internationalen Kulturtransfer zu befördern und mit neuen Akzenten zu versehen.

  • Förderung

    • Allgemeine Vorhaben
    • Stipendien
    • plus eins

      plus eins verbindet die Idee eines Masterclass-Programms mit konkret-bedürfnisorientierter Individualförderung.

      • Literatur
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      • Literatur
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        Esra Canpalat (Mentee)
        Martina Wunderer (Mentorin)

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        Pedro Goncalves Crescenti (Mentee)
        Hendrik Otremba (Mentor)

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        Miedya Mahmod (Mentee)
        Daniela Seel (Mentorin)

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        Lisa Tracy Michalik (Mentee)
        Olivia Wenzel (Mentorin)

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    • Residenzen
      • Atelier Galata, Istanbul

        Wir vergeben ein Residenzstipendium im Bereich Literatur in Istanbul.

        Die Ausschreibung richtet sich an professionelle Autor:innen mit Lebensmittelpunkt in Nordrhein-Westfalen, die bereits öffentliche Anerkennung erfahren haben und mindestens eine literarische Veröffentlichung vorweisen können – wahlweise in Buchform (Selbstverlag ausgeschlossen) oder in überregional relevanten Zeitschriften oder Anthologien. Bei Bewerber:innen aus dem performativen Bereich zählen auch entsprechende Auftritte/Inszenierungen in etablierten Kontexten. Sollten Sie aus dem Bereich Veranstaltungskuration stammen, bitten wir um eine vorherige Kontaktaufnahme (beratungLIT@kunststiftungnrw.de). Die Ausschreibung ist nicht alterslimitiert.
         

      • Jan van Eyck Academie, Maastricht

        Die Kunststiftung NRW hat ein neues, zweimonatiges Residenzstipendium an der Jan van Eyck Academie, Maastricht, eingerichtet.

        Das zweimonatige Aufenthaltsstipendium soll es Autor:innen ermöglichen, konzentriert an einem Projekt zu arbeiten und zugleich vom Angebot der renommierten Jan van Eyck Academie zu profitieren. Hierbei geht es explizit auch darum, die Möglichkeit des Austausches mit den anderen (internationalen) Residents aus sämtlichen Kunstformen zu nutzen.
        Die Ausschreibung ist nicht alterslimitiert. Sie richtet sich an professionelle Autor:innen mit Lebensmittelpunkt in Nordrhein-Westfalen, die bereits öffentliche Anerkennung erfahren haben und erste literarische Veröffentlichungen vorweisen können. Wünschenswert ist ein Interesse an transmedialen Verfahrensweisen oder auch ein Grenzgängertum zwischen den literarischen Formen und Ausdrucksweisen.

        • Literatur
          Antragsverfahren
          Jan van Eyck Academie, Maastricht

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        • Residenzstipendium
          Jan van Eyck Academie, Maastricht 2025
          Jennifer Eckert

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    • Förderbeispiele
  • Stiftungsinitiativen
    • Straelener Übersetzerpreis der Kunststiftung NRW

      Mit diesem Preis zeichnen wir herausragende literarische Übersetzungen und das Lebenswerk der Übersetzenden aus.

      In der Überzeugung, dass nur gelungene Übersetzungen literarischer Texte die Begegnung mit Weltliteratur, die Einfühlung in das Fremde und einen internationalen Kulturtransfer ermöglichen, hat die Kunststiftung NRW 2001 in Kooperation mit dem Europäischen Übersetzer-Kollegium Straelen den mit 25.000 Euro dotierten Straelener Übersetzerpreis ins Leben gerufen.

      Er zeichnet neben einer herausragenden literarischen Übersetzung zugleich das Lebenswerk der Übersetzenden aus und gehört zu den höchstdotierten Literaturpreisen im deutschsprachigen Raum. Seit 2012 vergeben wir zusätzlich einen Förderpreis in Höhe von 5.000 Euro.
       

    • Straelener Atriumsgespräche der Kunststiftung NRW

      Wir fördern Werkstattgespräche zwischen Autor:innen und ihren internationalen Übersetzer:innen.

      Im Rahmen der internationalen Veranstaltungsreihe Straelener Atriumsgespräche – initiiert von der Kunststiftung NRW und dem Europäischen Übersetzer-Kollegium Straelen – arbeiten zweimal jährlich herausragende deutschsprachige Autor:innen über mehrere Tage mit ihren ausländischen Übersetzer:innen an aktuellen Werken.

      Die Kunststiftung NRW unterstützt mit diesem beispielgebenden Projekt die künstlerische Arbeit der Literaturübersetzer:innen und trägt dazu bei, Fehler und Missverständnisse im Sprach- und Kulturtransfer zu vermeiden. Die Rezeption deutschsprachiger Literatur im Ausland wird damit gefördert und die Qualität übersetzter Literatur generell gesteigert.

      Weitere Informationen www.euk-straelen.de
       

    • Thomas-Kling-Poetikdozentur

      Wir berufen namhafte Autor:innen und Übersetzer:innen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur als Gastdozent:innen an die Universität Bonn.

      Als besonderes Förderprojekt wurde im Jahr 2011 die Thomas-Kling-Poetikdozentur an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn eingerichtet. Namhafte Autor:innen und Übersetzer:innen werden mit einem Stipendium ausgestattet, das ihnen eigene Lehrveranstaltungen ermöglicht. Die Auswahl treffen Vertreter:innen der Kunststiftung NRW und der Universität Bonn. Mit dieser spezifischen Autorenförderung wird eine Brücke zwischen Wissenschaft und Literatur geschlagen. Die Studierenden können nicht nur Einblick in eine künstlerische Schreibwerkstatt nehmen, sondern sich auch mit der ästhetischen Theorie lebender Autor:innen wissenschaftlich auseinandersetzen.

      Der Lyriker und Essayist Thomas Kling (1957-2005), nachdem die Dozentur benannt ist, war eine Ausnahmeerscheinung unter den deutschsprachigen Dichtern seiner Generation, ein Meister der sprachlichen Inszenierung. Beeinflusst von Autoren wie H. C. Artmann, Ernst Jandl und Paul Celan schuf er ein poetisches Werk, mit dem er maßgeblichen Einfluss auf die deutschsprachige Lyrik nach 1990 nahm: Klings Gedichtbände waren wegweisend für seine Zeitgenossen, ebenso seine spektakulären Auftritte. Thomas Kling war im Rheinland verwurzelt. Seinem radikalen Geist und seinem kompromisslosen Künstlertum fühlt sich die Kunststiftung NRW in besonderer Weise verpflichtet. Seit Klings frühem Tod im Jahr 2005 helfen wir, sein Erbe zu bewahren, und unterstützten Aktivitäten des Thomas-Kling-Archivs auf der Raketenstation Stiftung Insel Hombroich. 2015 erschien die Höredition "Die gebrannte Performance" in der Schriftenreihe Literatur der Kunststiftung. 2020 wurde die große vierbändige Thomas-Kling-Werkausgabe im Suhrkamp Verlag mit Mitteln der Kunststiftung NRW ermöglicht.
       

    • Publikationen
      • Schriftenreihe Literatur

        In ihrer Schriftenreihe Literatur stellt die Kunststiftung NRW Autor:innen des Landes vor und bietet einen Publikationsort auch für ausgefallene literarische Vorhaben, die unmittelbar aus Förderprojekten der Stiftung hervorgehen. Sie dokumentiert herausragende, von der Stiftung initiierte literarische Vorhaben und verleiht der Literaturszene NRW Sichtbarkeit.