CSD Schmuck Lettow kainkollektiv

Christoph-Schlingensief-Dozentur
Wintersemester 2020/21

Mirjam Schmuck und Fabian Lettow / kainkollektiv

Foto: Fabian Lettow, Mirjam Schmuck / kainkollektiv
Foto: Fabian Lettow, Mirjam Schmuck / kainkollektiv

Seit einigen Jahren recherchiert, entwickelt, kompiliert und inszeniert kainkollektiv primär eigene Texte und Szenarien und produziert national und international Performances, Installationen, Ausstellungen und Theaterinszenierungen, darunter: Fasasa 1/2 (2011 Teatr Nowy, Krakau, Ringlokschuppen Ruhr, FFT Düsseldorf), Global Eyes (2012 Duisburger Akzente, zusammen mit sputnic), Lessings Gespenster (2012 Schauspiel Dortmund), Stadt der guten Hoffnung (2012 Ausstellung zu 150 Jahre Oberhausen im LVR-Industriemuseum Oberhausen, zusammen mit sputnic), And on the sventh day (2012/13 Ringlokschuppen Ruhr, FFT Düsseldorf, Pumpenhaus Münster, zusammen mit Gudrun Lange), sowie das deutsch-kamerunische Projekt Fin de Machine / Exit. Hamlet (OTHNI-Laboratoire de Théâtre de Yaoundé, Ringlokschuppen Mülheim, FFT Düsseldorf, Kampnagel Hamburg, eingeladen zum Favoriten Festival 2014) und No Logo Opera zusammen mit dem vrum performing arts collective (Ringlokschuppen Ruhr, FFT Düsseldorf, HNK Varazdin, Kroatien).

kainkollektiv arbeitet beständig an seiner eigenen Öffnung, Zerstreuung und Erweiterung durch engeren oder loseren Einbezug unterschiedlicher Künstler:innen: durch den mit kainkollektiv kollaborierenden Zeit-Genoss:innen. So leitet die Dramaturgin Kirsten Möller seit Sommer 2012 die Produktionsgeschäfte von kainkollektiv und der Musiker und Performer Rasmus Nordholt-Frieling ist neuer Teil der kainkollektiv-Homebase. Darüber hinaus kollaborieren die kainkollektivist:innen beständig mit unterschiedlichen Künstler:innen, Gruppen und Häusern aus den Bereichen Theater, Musik, Tanz, Bildende Kunst und Neue Medien. Diese Kollaborationen sind einem Theater der Zeit-Genossenschaft verschrieben, in dem das Zeitgenössische keine bloße Zuschreibung ist, sondern selbst zur Disposition steht und den immer wieder neu zu sondierenden Grund der eigenen Forschung und Arbeit darstellt: Wir müssen die Gegenwart so lange neu erfinden, bis sie herausgibt, was an Vergangenheit und Zukunft von ihr verschluckt worden ist!

Text: kainkollektiv

Theorie- und Praxis-Seminar:
Theater des Glokalen
Über (Medien-)Theater und (Post-)Kolonialismus in der (viralen) Globalisierung

Workshop/Try out zur Tanz-Performance "Ist das ein Mensch? / Est-ce Un Humain? / Is This A Human?" (2021) von kainkollektiv, Zora Snake und Njara Rasolomanana in Antananarivo, Madagaskar 2019. Foto: Michael Wolke
Workshop/Try out zur Tanz-Performance "Ist das ein Mensch? / Est-ce Un Humain? / Is This A Human?" (2021) von kainkollektiv, Zora Snake und Njara Rasolomanana in Antananarivo, Madagaskar 2019. Foto: Michael Wolke

Aktuell ist die Dualität der "glokalen Lage", in der sich die Welt heute befindet, mit Händen zu greifen. Während die Corona-Pandemie den gesamten Globus überzieht, wirft sie die Einzelnen auf die jeweiligen Orte zurück, an denen diese sich gerade befinden. Im Lockdown wird das Lokale, das von einer globalen Krise ausgelöst wurde, zu einer völlig neuen Erfahrung: der Erfahrung, dass sich das Globale der Weltgesellschaft und das Lokale einer je spezifischen Existenz unauflöslich miteinander verbinden. Indes ist diese Erfahrung im Kern eine alte, denn sie rekurriert auf das Erbe der (europäischen) Kolonialisierung der Welt. Dieses Erbe scheint aktuell Europa in dramatischer Weise einzuholen und heimzusuchen. Doch während dieses "weltweite Drama" dafür sorgt, dass hier (wie anderswo) die Theater schließen, das Reisen weitgehend eingestellt ist und sich alle in ihren Wohnungen verbarrikadieren, um mit der viralen Welt nur noch über die digitalen Endgeräte verbunden zu bleiben, stellt sich die Frage nach dem Zusammenleben auf dem Globus noch einmal ganz neu und dringlich. Und mit ihr nicht zuletzt auch die Frage, wie und zu was heute überhaupt noch Kunst/Theater zu machen wäre.

Das Performance-Kollektiv kainkollektiv arbeitet in seinen internationalen Theaterproduktionen (die bis nach Polen, Kroatien, Kamerun oder Madagaskar führen) seit Jahren intensiv an dem Verhältnis von Lokalität und Globalität, etwa in ihrer "Globe Opera" Performance Serie, sowie an Fragen von Postkolonialismus, Afrofuturismus oder auch an der Relation von Kunst- und Sorgepraktiken. Zugleich sind kainkollektivs Arbeiten durch ein hohes Maß an Intermedialität gekennzeichnet, das von Film bis Oper, von Audiowalk über Rauminstallationen bis zu Online-Performances reicht. In diesem Seminar im Rahmen der Christoph Schlingensief Dozentur stellt kainkollektiv seine Arbeit vor und zur Diskussion, um von hier aus die Studierenden dazu einzuladen, in einen zugleich theoretischen wie praxisbezogenen Diskurs miteinander zu kommen, wie sich angesichts der Krise des Sozialen, der Kunst und ihrer Institutionen weiterhin oder auch anderweitig als bisher (Medien-)Theater machen ließe und zu welchem Ende überhaupt. Dabei will kainkollektiv im Sinne der Szenischen Forschung das Seminar an seinen eigenen aktuellen Versuchen, die Potentiale eines digitalen Online-Theaters zu erforschen, teilhaben lassen: von Schnittprogrammen für Smartphone-Videos bis zur Idee eines analog-digitalen Liveschnitts/Livestreams. Wie können wir unter Lockdown-Bedingungen, gewissermaßen aus unseren eigenen Homezones heraus weiter kritische, zeitgenössische Kunst produzieren? Und für wen oder was überhaupt? Um welche Welt sorgt sich die Kunst, die dabei entsteht? Und um welche Kunst sorgt sich die Welt (oder auch nicht…)?

Die praktischen, ästhetischen und medialen Suchbewegungen stehen in kainkollektivs Arbeiten stets im Kontext solch politischer, sozialer und historischer Fragestellungen, welche das Seminar gemeinsam in Zoom-Konferenzen verhandeln und daran anschließend praktisch verarbeiten wird. Was dabei das genaue gemeinsame (oder auch je singuläre) Ziel ist, wird Interessens- und Aushandlungssache der am Seminar Teilnehmenden sein und in den ersten Sitzungen zusammen festgelegt.

Kainkollektiv sind im Kern die Regisseurin und Musikerin Mirjam Schmuck und der Regisseur und Autor Fabian Lettow. Beide leben in Bochum, haben an der Ruhr-Universität u.a. Theaterwissenschaft studiert und entwickeln ihre Projekte von NRW aus in nationalen und internationalen Kooperationen und Netzwerken. Für seine Arbeit wurde und wird kainkollektiv seit 2012 durch das Ministerium für Kunst und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen kontinuierlich mit der Spitzenförderung Theater ausgezeichnet. 2015 erhielt kainkollektiv den Tabori Nachwuchspreis, die durch den Fonds Darstellende Künste vergebene höchste Theaterauszeichnung in der deutschsprachigen Freien Theater- und Performance-Szene.

Text: RUB, Szenische Forschung

Performing Arts

Die Kunststiftung NRW fördert transdisziplinäre Arbeitsformen, Netzwerke und Diskurse, um der weitverzweigten künstlerischen Praxis und Forschung im Feld der Performing Arts ein Forum zu geben und Qualität zu fördern.

Dabei ermöglichen wir Residenzen sowie Freiräume für Theorie und Reflexion durch die Vergabe von Stipendien. Wir unterstützen die Realisierung herausragender Produktionen, internationale Kooperationen und Publikationen, Produktionshäuser, die sich als impulsgebende Zentren für ästhetische und gegenwartskritische Fragestellungen positionieren, ebenso wie innovative Festivalformate. Im Sinne einer nachhaltigen Förderpolitik entwickeln wir gemeinsam mit zukunftsweisenden Institutionen und Kunstschaffenden signifikante mehrjährige Perspektiven.

  • Künstlerischer Beirat
    2022-2023

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  • Förderung
  • Stiftungsinitiativen

    • Christoph-Schlingensief-Gastprofessur

      Die Kunststiftung NRW initiierte 2015 eine Gastprofessur für den Masterstudiengang Szenische Forschung an der Ruhr-Universität Bochum, die es ermöglicht, international renommierte Künstler:innen und Kollektive einzuladen, um hier mit den Studierenden an aktuellen Fragestellungen der darstellenden Künste zu arbeiten.

      Auf diese Weise verbinden sich Forschung und Vermittlung von theoretischen und angewandten Kompetenzen mit dem Ziel, den künstlerischen Nachwuchs in NRW durch externe Exzellenz professionell zu unterstützen. Christoph Schlingensief als Namensgeber verweist auf die ästhetische und künstlerische Diversität der Professur – sie ist spartenübergreifend und experimentell konzipiert.

      Bewerbungen:
      https://szenische-forschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de/christoph-schlingensief-gastprofessur/
       

    • Christoph-Schlingensief-Dozentur

      Seit dem WS 2018/19 vergibt vergibt die Kunststiftung NRW gemeinsam mit dem Masterstudiengang Szenische Forschung an der Ruhr-Universität Bochum kontinuierlich und spartenübergreifend eine einsemestrige Dozentur an herausragende, in Nordrhein-Westfalen beheimatete Künstler:innen.

      In mehreren, thematisch unterschiedlichen Blöcken arbeiten sie mit den Studierenden sowohl praktisch als auch theoretisch. Ausgangspunkt soll die jeweilige Ästhetik und Methodik der eingeladenen Künstler:innen und deren berufliche Erfahrungen im Kontext der Gegenwartskünste sein.

      Bewerbungen:
      https://szenische-forschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de/christoph-schlingensief-dozentur/
       

    • Christoph-Schlingensief-Fellowship

      Seit 2020 vergibt die Kunststiftung NRW gemeinsam mit dem Masterstudiengang Szenische Forschung an der Ruhr-Universität Bochum Stipendien an Absolvent:innen.

      Das Christoph-Schlingensief-Fellowship soll Stipendiat:innen in der Phase nach dem Studienabschluss ermöglichen, künstlerisch-forschende Arbeitsweisen und Methoden produktionsunabhängig auszubauen, sich weiterzubilden, die Funktionsweisen des Marktes kritisch zu reflektieren und Kontakte zu relevanten Fachleuten oder Institutionen zu knüpfen bzw. zu intensivieren.
      Die Aufnahme ins Programm des Christoph-Schlingensief-Fellowships ist ausdrücklich nicht an die Durchführung künstlerischer Produktionen gebunden; vielmehr sollen tendenziell ergebnisoffene Projekte, die den Übergang vom Studium in die Professionalität erleichtern, gefördert werden.

      Aktuell keine Ausschreibung

      • Philipp Blömeke, Judith Philippa Franke und MFK Bochum
        Christoph-Schlingensief-Fellowship 2020

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    • Pina Bausch Fellowship for Dance and Choreography

      Die Kunststiftung NRW konzipierte gemeinsam mit der Pina Bausch Foundation das internationale Pina Bausch Fellowship for Dance and Choreography, das seit 2016 vergeben und international ausgeschrieben wird.

      Das Fellowship ermöglicht Tänzer:innen und Choreograf:innen weltweit, als Mitglied auf Zeit in einem Ensemble ihrer Wahl neue tänzerische Ausdrucksweisen kennenzulernen, sich mit den Arbeitsweisen von renommierten Choreograf:innen auseinanderzusetzen oder als Gast an einem Tanzinstitut zu hospitieren. Dies soll dazu beitragen, ihr eigenes Bewegungsrepertoire zu erweitern und neue, individuelle Ausdrucksweisen zu finden. Der Aufenthalt dauert zwischen drei und sechs Monate und umfasst eine monatliche Zuwendung sowie die Reisekosten. Es werden bis zu vier Stipendien pro Jahr vergeben. Die Erfahrungen dieser Prozesse und ihre Arbeitsergebnisse stellen die Stipendiat:innen abschließend beim jährlichen "Meet the Fellows" in Wuppertal öffentlich vor. Die Auswahl der Stipendiat:innen erfolgt durch eine eigens zusammengestellte Jury.

      Bewerbungen:
      https://fellowship.pinabausch.org/
       

    • Mentoring Programm

      Die Kunststiftung NRW initiierte gemeinsam mit dem Landesbüro Freie Darstellende Künste in Dortmund ein Mentoring-Programm für freie Ensembles und Kollektive aus Nordrhein-Westfalen. Das Mentoring-Programm richtet sich an Gruppen, Ensembles und künstlerische Kollektive in NRW, die seit Jahren professionell arbeiten.

      Es ermöglicht den von einer Jury ausgewählten Gruppen, für die Dauer von ca. einem Jahr produktionsunabhängig mit Mentor:innen ihrer Wahl zusammen zu arbeiten.

      Die Freien Darstellenden Künste haben sich trotz größtenteils schwieriger Arbeits- und Produktionsbedingungen in den letzten zehn Jahren zu einer stabilen zweiten Säule neben den traditionellen Institutionen der Stadttheater etabliert. Es mangelt dennoch nach wie vor an auskömmlichen Produktionsbedingungen, die zumindest die Honoraruntergrenze für Produktionszeiten garantieren. Es fehlen Förderformate, die kontinuierliches Arbeiten und die Weiterentwicklung des künstlerischen Profils abseits der eigentlichen Produktionen ermöglichen. Es ist unzweifelhaft, dass gute künstlerische Arbeit die Möglichkeit zur freien Reflektion über die eigene Arbeit braucht. Das Mentoring dient somit der Vertiefung und Erweiterung bestehender Arbeitsansätze und Konzeptionen als auch der Erschließung neuer Ideenfelder.

      Die Förderung ist daher ausdrücklich als Phase des Experiments deklariert: Außergewöhnliche, forschungsbasierte Vorhaben im Feld von Theorie und Praxis, transdisziplinäre Kollaborationen, wissenschaftliche Begleitung künstlerischer Konzeptionen etc. sind förderwürdig. Als Mentor:innen kommen Expert:innen aus allen dezidiert künstlerischen Bereichen, aber ausdrücklich auch aus ganz anderen Disziplinen wie den Wissenschaften, dem Sport, der Wirtschaft, etc. infrage. Die Arbeitsprozesse werden vom NRW Landesbüro begleitet und evaluiert.

      Bewerbungen:
      https://www.nrw-lfdk.de/
       

    • Residenzen
      • Atelier Galata

        Die Kunststiftung NRW vergibt für einen Zeitraum von bis zu sechs Monaten ein Residenzstipendium im Bereich Performing Arts in Istanbul.

        Ziel des Stipendiums ist es, die Kunstszene vor Ort kennenzulernen, Kontakte zu knüpfen, transdisziplinäre Arbeitsmethoden zu erproben, Ideen auszutauschen und diese Impulse nach der Rückkehr in die jeweiligen Arbeitskontexte in Nordrhein-Westfalen einzubringen. Die Ausschreibung ist nicht alterslimitiert. Sie richtet sich an professionelle Tanz- und Theaterschaffende mit Lebensmittelpunkt in Nordrhein-Westfalen, die bereits öffentliche Anerkennung erfahren haben.
         

    • Publikationen
      • Postdramatisches Theater in Portraits
        Reihe im Alexander Verlag, 2020-2022

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      • Hofmann&Lindholm
        Nachgestellte Szene
        Theater der Zeit, 2020

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      • Raimund Hoghe
        Wenn keiner singt, ist es still
        Theater der Zeit, 2019

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  • Sonderfonds 2021

    Wir legen ein weiteres Unterstützungsprogramm auf, um die Folgen der Pandemie aufzufangen.

    Anträge auf Sonderförderung im Rahmen von "Künste bewegen – Sonderfonds 2021" können vom 1. Mai bis zum 31. Dezember 2021 ausschließlich digital gestellt werden. Über die Anträge wird fortlaufend beraten und nach den Qualitätsmaßstäben der Kunststiftung NRW befunden.
     

    • Digitale Performance und Livestream

      Ausschließlich für Fördernehmer:innen der Jahre 2020 und 2021

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    • Verlagspublikationen

      Ausschließlich für Fördernehmer:innen der Jahre 2020 und 2021

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