Hoghe

Raimund Hoghe
Wenn keiner singt, ist es still
Porträts, Rezensionen und andere Texte (1979 - 2019)
Hrsg. v. Kunststiftung NRW
Verlag Theater der Zeit, 2019

Abbildung aus der Publikation
Abbildung aus der Publikation

"Wenn keiner singt, ist es still", sagt Roma B. in Rainer Werner Fassbinders Stück "Der Müll, die Stadt und der Tod". Raimund Hoghe zitiert diesen Satz in seinem Porträt einer Frankfurter Hausbesitzerin, die in den 1980er Jahren gegen den Bau von Europas höchstem Hochhaus in ihrer Nachbarschaft kämpfte. Die ihr von Banken angebotenen Abfindungen in Millionenhöhe schlug sie aus und sagte Nein zur Zerstörung ihres Viertels. Der Satz von Roma B. könnte aber auch über anderen Texten stehen, die Raimund Hoghe für dieses Buch zusammengestellt hat. Sie erzählen von Menschen, die Haltung zeigen und den eigenen Weg gehen, z. B. der von den Nazis verfolgte Tenor Joseph Schmidt, die Autoren Pier Paolo Pasolini und Hervé Guibert, der Butoh-Tänzer Kazuo Ohno, Gret Palucca oder Pina Bausch, über die er zuerst schrieb und deren Dramaturg er dann in den achtziger Jahren war. Und ob prominenter Künstler oder unbekannte Toilettenfrau in Wuppertal: immer geht es Raimund Hoghe um Würde und Respekt.

Text: Theater der Zeit

Im Gespräch mit Raimund Hoghe

Raimund Hoghe, Autor und Choreograf, wurde im Mai 2019 siebzig Jahre alt – ein Jubiläum, anlässlich dessen die Kunststiftung NRW ihm die Publikation "Wenn keiner singt, ist es still" (als Jubiläumsprojekt gefördert), den Abend "Avec les temps", sowie ein Filmportrait widmet. In diesem Gespräch mit dem Künstler wird deutlich, dass Schreiben, Dramaturgie, Choreografie und Tanzen sich durchdringen, dass sie gleichwertig, ja eins für ihn sind – "Realitätspartikel", die das Unsagbare poetisch wie pointiert umkreisen.

Ein Interview von Christina Irrgang
im Auftrag der Kunststiftung NRW
anlässlich 30 Jahre Kunststiftung NRW
sowie der Jubiläumspublikation: "Raimund Hoghe: Wenn keiner singt, ist es still. Porträts, Rezensionen und andere Texte", herausgegeben von der Kunststiftung NRW, Theater der Zeit, Berlin 2019.
Regie und Schnitt: Florian Heinzen-Ziob
Kamera: Igor Novic
Ton: Armin Badde
Produktion: polyphem
© 2019 Kunststiftung NRW

Quellennachweise:

"[...] wir müßten anders leben. Ganz anders", Wolf, Christa, in: dies., Sommerstück [Suhrkamp, Frankfurt am Main 2013, S. 28], hier zitiert nach Hoghe, Raimund: "Und weben der Menschheit einen wärmenden Mantel – Anmerkungen zu der Arbeit des Fotografen Stefan Moses", in: Hoghe 2019, S. 118-121, hier S. 121 [erstmals erschienen in: Abschied und Anfang, Ostdeutsche Porträts 1989 – 1990 von Stefan Moses, Deutsches Historisches Museum Berlin, Edition Cantz, Stuttgart 1991].

"Sich einlassen. Zum Beispiel auf Menschen. Versuchen, im Fremden auch etwas von sich zu finden", Hoghe, Raimund, in: ders., "Kontaktversuche – Pier Paolo Pasolini als Zeichner", in: Hoghe 2019, S. 33-37, hier S. 34 [erstmals erschienen in: Verlag Balance Rief S. A. Basel, Februar 1982].

Performing Arts

Die Kunststiftung NRW fördert transdisziplinäre Arbeitsformen, Netzwerke und Diskurse, um der weitverzweigten künstlerischen Praxis und Forschung im Feld der Performing Arts ein Forum zu geben und Qualität zu fördern.

Dabei ermöglichen wir Residenzen sowie Freiräume für Theorie und Reflexion durch die Vergabe von Stipendien. Wir unterstützen die Realisierung herausragender Produktionen, internationale Kooperationen und Publikationen, Produktionshäuser, die sich als impulsgebende Zentren für ästhetische und gegenwartskritische Fragestellungen positionieren, ebenso wie innovative Festivalformate. Im Sinne einer nachhaltigen Förderpolitik entwickeln wir gemeinsam mit zukunftsweisenden Institutionen und Kunstschaffenden signifikante mehrjährige Perspektiven.

  • Künstlerischer Beirat
    2022-2023

    Mehr Erfahren
  • Gerda König erhält Bundesverdienstkreuz

    Mehr Erfahren
  • Förderung
  • Stiftungsinitiativen

    • Christoph-Schlingensief-Gastprofessur

      Die Kunststiftung NRW initiierte 2015 eine Gastprofessur für den Masterstudiengang Szenische Forschung an der Ruhr-Universität Bochum, die es ermöglicht, international renommierte Künstler:innen und Kollektive einzuladen, um hier mit den Studierenden an aktuellen Fragestellungen der darstellenden Künste zu arbeiten.

      Auf diese Weise verbinden sich Forschung und Vermittlung von theoretischen und angewandten Kompetenzen mit dem Ziel, den künstlerischen Nachwuchs in NRW durch externe Exzellenz professionell zu unterstützen. Christoph Schlingensief als Namensgeber verweist auf die ästhetische und künstlerische Diversität der Professur – sie ist spartenübergreifend und experimentell konzipiert.

      Bewerbungen:
      https://szenische-forschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de/christoph-schlingensief-gastprofessur/
       

    • Christoph-Schlingensief-Dozentur

      Seit dem WS 2018/19 vergibt die Kunststiftung NRW gemeinsam mit dem Masterstudiengang Szenische Forschung an der Ruhr-Universität Bochum kontinuierlich und spartenübergreifend eine einsemestrige Dozentur an herausragende, in Nordrhein-Westfalen beheimatete Künstler:innen.

      In mehreren, thematisch unterschiedlichen Blöcken arbeiten sie mit den Studierenden sowohl praktisch als auch theoretisch. Ausgangspunkt soll die jeweilige Ästhetik und Methodik der eingeladenen Künstler:innen und deren berufliche Erfahrungen im Kontext der Gegenwartskünste sein.

      Bewerbungen:
      https://szenische-forschung.blogs.ruhr-uni-bochum.de/christoph-schlingensief-dozentur/
       

    • Christoph-Schlingensief-Fellowship

      Seit 2020 vergibt die Kunststiftung NRW gemeinsam mit dem Masterstudiengang Szenische Forschung an der Ruhr-Universität Bochum Stipendien an Absolvent:innen.

      Das Christoph-Schlingensief-Fellowship soll Stipendiat:innen in der Phase nach dem Studienabschluss ermöglichen, künstlerisch-forschende Arbeitsweisen und Methoden produktionsunabhängig auszubauen, sich weiterzubilden, die Funktionsweisen des Marktes kritisch zu reflektieren und Kontakte zu relevanten Fachleuten oder Institutionen zu knüpfen bzw. zu intensivieren.
      Die Aufnahme ins Programm des Christoph-Schlingensief-Fellowships ist ausdrücklich nicht an die Durchführung künstlerischer Produktionen gebunden; vielmehr sollen tendenziell ergebnisoffene Projekte, die den Übergang vom Studium in die Professionalität erleichtern, gefördert werden.

      Aktuell keine Ausschreibung

      • Philipp Blömeke, Judith Philippa Franke und MFK Bochum
        Christoph-Schlingensief-Fellowship 2020

        Mehr Erfahren
    • Pina Bausch Fellowship for Dance and Choreography

      Die Kunststiftung NRW konzipierte gemeinsam mit der Pina Bausch Foundation das internationale Pina Bausch Fellowship for Dance and Choreography, das seit 2016 vergeben und international ausgeschrieben wird.

      Das Fellowship ermöglicht Tänzer:innen und Choreograf:innen weltweit, als Mitglied auf Zeit in einem Ensemble ihrer Wahl neue tänzerische Ausdrucksweisen kennenzulernen, sich mit den Arbeitsweisen von renommierten Choreograf:innen auseinanderzusetzen oder als Gast an einem Tanzinstitut zu hospitieren. Dies soll dazu beitragen, ihr eigenes Bewegungsrepertoire zu erweitern und neue, individuelle Ausdrucksweisen zu finden. Der Aufenthalt dauert zwischen drei und sechs Monate und umfasst eine monatliche Zuwendung sowie die Reisekosten. Es werden bis zu vier Stipendien pro Jahr vergeben. Die Erfahrungen dieser Prozesse und ihre Arbeitsergebnisse stellen die Stipendiat:innen abschließend beim jährlichen "Meet the Fellows" in Wuppertal öffentlich vor. Die Auswahl der Stipendiat:innen erfolgt durch eine eigens zusammengestellte Jury.

      Bewerbungen:
      https://fellowship.pinabausch.org/
       

    • Mentoring Programm

      Die Kunststiftung NRW initiierte gemeinsam mit dem Landesbüro Freie Darstellende Künste in Dortmund ein Mentoring-Programm für freie Ensembles und Kollektive aus Nordrhein-Westfalen. Das Mentoring-Programm richtet sich an Gruppen, Ensembles und künstlerische Kollektive in NRW, die seit Jahren professionell arbeiten.

      Es ermöglicht den von einer Jury ausgewählten Gruppen, für die Dauer von ca. einem Jahr produktionsunabhängig mit Mentor:innen ihrer Wahl zusammen zu arbeiten.

      Die Freien Darstellenden Künste haben sich trotz größtenteils schwieriger Arbeits- und Produktionsbedingungen in den letzten zehn Jahren zu einer stabilen zweiten Säule neben den traditionellen Institutionen der Stadttheater etabliert. Es mangelt dennoch nach wie vor an auskömmlichen Produktionsbedingungen, die zumindest die Honoraruntergrenze für Produktionszeiten garantieren. Es fehlen Förderformate, die kontinuierliches Arbeiten und die Weiterentwicklung des künstlerischen Profils abseits der eigentlichen Produktionen ermöglichen. Es ist unzweifelhaft, dass gute künstlerische Arbeit die Möglichkeit zur freien Reflektion über die eigene Arbeit braucht. Das Mentoring dient somit der Vertiefung und Erweiterung bestehender Arbeitsansätze und Konzeptionen als auch der Erschließung neuer Ideenfelder.

      Die Förderung ist daher ausdrücklich als Phase des Experiments deklariert: Außergewöhnliche, forschungsbasierte Vorhaben im Feld von Theorie und Praxis, transdisziplinäre Kollaborationen, wissenschaftliche Begleitung künstlerischer Konzeptionen etc. sind förderwürdig. Als Mentor:innen kommen Expert:innen aus allen dezidiert künstlerischen Bereichen, aber ausdrücklich auch aus ganz anderen Disziplinen wie den Wissenschaften, dem Sport, der Wirtschaft, etc. infrage. Die Arbeitsprozesse werden vom NRW Landesbüro begleitet und evaluiert.

      Bewerbungen:
      https://www.nrw-lfdk.de/
       

    • Residenzen
      • Atelier Galata

        Die Kunststiftung NRW vergibt für einen Zeitraum von bis zu sechs Monaten ein Residenzstipendium im Bereich Performing Arts in Istanbul.

        Ziel des Stipendiums ist es, die Kunstszene vor Ort kennenzulernen, Kontakte zu knüpfen, transdisziplinäre Arbeitsmethoden zu erproben, Ideen auszutauschen und diese Impulse nach der Rückkehr in die jeweiligen Arbeitskontexte in Nordrhein-Westfalen einzubringen. Die Ausschreibung ist nicht alterslimitiert. Sie richtet sich an professionelle Tanz- und Theaterschaffende mit Lebensmittelpunkt in Nordrhein-Westfalen, die bereits öffentliche Anerkennung erfahren haben.
         

    • Publikationen

      • Postdramatisches Theater in Portraits
        Reihe im Alexander Verlag, 2020-2022

        Mehr Erfahren
      • Hofmann&Lindholm
        Nachgestellte Szene
        Theater der Zeit, 2020

        Mehr Erfahren
      • Raimund Hoghe
        Wenn keiner singt, ist es still
        Theater der Zeit, 2019

        Mehr Erfahren
  • Sonderfonds 2021

    Wir legen ein weiteres Unterstützungsprogramm auf, um die Folgen der Pandemie aufzufangen.

    Anträge auf Sonderförderung im Rahmen von "Künste bewegen – Sonderfonds 2021" können vom 1. Mai bis zum 31. Dezember 2021 ausschließlich digital gestellt werden. Über die Anträge wird fortlaufend beraten und nach den Qualitätsmaßstäben der Kunststiftung NRW befunden.
     

    • Digitale Performance und Livestream

      Ausschließlich für Fördernehmer:innen der Jahre 2020 und 2021

      Mehr Erfahren
    • Verlagspublikationen

      Ausschließlich für Fördernehmer:innen der Jahre 2020 und 2021

      Mehr Erfahren