A long time short Kai10

A Long Time Short
30. August bis 13. Dezember 2020
KAI10 I Arthena Foundation, Düsseldorf

Ausstellung mit: Trisha Baga, Hicham Berrada, David Claerbout, David Horvitz, Lukas Marxt, Bahar Noorizadeh, Su Yu Hsin, Agustina Woodgate
 
 
Die internationale Gruppenausstellung thematisiert den komplexen Zeitbegriff unserer Gegenwart. Mit den Werken der beteiligten Künstler:innen wird das Konzept einer linearen, eindimensionalen und geldwerten Zeiteinteilung kritisch hinterfragt und zugunsten subjektiver Modelle und mehrschichtiger Theorien verabschiedet. Denn in unserer globalen und digitalen Gleichzeitigkeit variiert das kollektive Zeitempfinden von rasend schnell bis hin zu unendlich langsam. Nicht selten laufen unterschiedliche Geschwindigkeiten parallel – und gleichzeitig werden wir von Vergangenheit und Zukunft eingeholt.

Schauen wir auf die Uhr, schreitet die Zeit gleichmäßig voran. Aber fast jede Erfahrung von Zeit widerspricht diesem linearen Konstrukt. Sie verrinnt, wenn man den Moment festhalten möchte und scheint stillzustehen, wenn man auf etwas wartet. Auch der technische Fortschritt – von der gesteigerten Mobilität, über die globale Vernetzung bis hin zur virtuellen Realität – bringt selten nur Zeitersparnis mit sich, sondern auch immer neue Optionen und Informationen, die, wie die 'Grauen Herren' in Michael Endes Kinderroman "Momo", den Menschen ihre Zeit stehlen. Zeit ist bekanntermaßen Geld. Doch wenn das durchgeplante tägliche Leben plötzlich unterbrochen wird – wie durch die Zäsur der Corona-Pandemie –, verlieren wir uns geradezu in der Zeit und haben die Möglichkeit, den allgemeinen Konsens einer synchron ablaufenden und entsprechend taxierbaren Zeit zu überdenken.

Der Widerspruch zwischen der Beständigkeit der Uhrzeit und dem variablen und mehrschichtigen Erfahrungsraum von Zeit tritt auch dann zutage, wenn sich Künstler:innen mit der heutigen Komplexität von Zeitbegriffen und -erfahrungen auseinandersetzen. In der Ausstellung "A Long Time Short" reflektieren die Werke von Trisha Baga, Hicham Berrada, David Claerbout, David Horvitz, Lukas Marxt, Bahar Noorizadeh, Su Yu Hsin und Agustina Woodgate die technischen, sozialen und ökonomischen Bedingungen, die unsere Wahrnehmung und Bewertung von Zeit beeinflussen. Gemeinsam ist den vorwiegend videobasierten Arbeiten eine offene, assoziative Erzählstruktur, die als Reaktion auf die unregelmäßige Taktung und mediale Verflechtung unserer Leben asynchron verläuft. Sie verabschieden das Konzept einer linearen, eindimensionalen und von ökonomischen Prozessen diktierten Zeiteinteilung, indem unterschiedlich schnell ablaufende Ereignisse kombiniert werden oder der physische Erfahrungsraum mit der virtuellen Realität überblendet wird. Bewegungsarme Aufnahmen veranschaulichen das poetische Potential einer entschleunigten Zeiterfahrung, während vielbeschworene Zukunftsszenarien sich in ökologischen Themen oder vergangenen Utopien spiegeln.
Kuratiert von Marion Eisele und gefördert von der Kunststiftung NRW.

Text: KAI10

Visuelle Kunst

Die Förderung der besonderen Vielfalt der Kunst hoher Qualität in und aus Nordrhein-Westfalen zeichnet den Bereich der Visuellen Kunst der Kunststiftung NRW aus. Dabei stehen die Konzeption und Realisierung von neuen Ideen ebenso wie nachhaltige Formate im Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit.

Durch die Vergabe von Stipendien und Residenzen stärken wir freie und nachhaltige Arbeitsformen sowie die regionale und internationale Vernetzung einer lebendigen Kunstszene. Mit der Unterstützung von Produktionen, Neuproduktionen und Publikationsvorhaben, Ausstellungen und anderen Vorhaben in beispielsweise Museen, kleineren Ausstellungshäusern und Kunstvereinen fördern wir diejenigen, die sich wegweisend mit gegenwärtigen und relevanten Themen in außergewöhnlichen Formaten auseinandersetzen. Sie formen damit die Kunstlandschaft Nordrhein-Westfalens und ermöglichen ihre Weiterentwicklung. Unser besonderer Fokus liegt dabei auch auf der langfristigen Professionalisierung und Etablierung junger Kunstschaffender.
 

  • Silke Schönfeld erhält Förderpreis des Landes NRW

    Mehr erfahren
  • Förderung

    • Allgemeine Vorhaben

      Für allgemeine Vorhaben gilt grundsätzlich das folgende Antragsverfahren.
      Künstler:innen unter 40 Jahren und unabhängige Projekträume können ihre Anträge ausschließlich über das Antragsverfahren Junge Szene einreichen.

    • Stipendien
      • Visuelle Kunst
        Antragsverfahren
        Arbeits- und Recherchestipendien

        Mehr erfahren
    • Junge Szene

      Die "Junge Szene" unterstützt herausragende, experimentelle und transdisziplinäre künstlerische Ideen junger Kunstschaffender aus Nordrhein-Westfalen bis zu einem Alter von 40 Jahren sowie unabhängige Projekträume.

      Die Initiative hat sich als ein einzigartiger Katalysator für junge Kunstschaffende und für die Museums- und Ausstellungslandschaft in NRW erwiesen. Durch unsere Förderung konnten sich Ausstellungsräume NRW-weit etablieren, haben sich Arbeitsstipendien im In- und Ausland ergeben, Werkkomplexe realisiert und lange Partnerschaften mit Kunstschaffenden und Initiatoren entwickelt.

    • Residenzen
      • Atelier Galata, Istanbul

        Die Kunststiftung NRW vergibt ein Residenzstipendium im Bereich Visuelle Kunst in Istanbul.

        Ziel des Stipendiums ist es, die Kunstszene vor Ort kennenzulernen, Kontakte zu knüpfen, Ideen auszutauschen und diese Impulse nach der Rückkehr in die jeweiligen Arbeitskontexte in Nordrhein-Westfalen einzubringen. Die Ausschreibung ist nicht alterslimitiert. Sie richtet sich an professionelle Kunstschaffende mit Lebensmittelpunkt in Nordrhein-Westfalen, die bereits öffentliche Anerkennung erfahren haben und erste Berufserfolge vorweisen können.
         

      • Bronner Residency, Tel Aviv

        Die Bronner Residency ermöglicht Kunstschaffenden aus NRW einen sechsmonatigen Aufenthalt in einem Wohnatelier in Tel Aviv.

        Ziel des Künstler:innenaustausches ist es, die jeweiligen Fragestellungen und Entwicklungen der Kunstszene vor Ort kennenzulernen, Kontakte aufzunehmen, zu vertiefen und neue Ansätze im künstlerischen Schaffen umzusetzen. Zudem möchte die Bronner Residency dazu anregen, produktionsungebunden und frei zu experimentieren. Damit tragen wir dazu bei, praktikable und faire Arbeitssituationen für Auslandsstipendien in der bildenden Kunst zu etablieren. Bereits seit 2008 unterhält die Kunststiftung NRW den bedeutenden Kulturaustausch zwischen Düsseldorf und Tel Aviv mit ihren Partnern, der Dan und Cary Bronner-Stiftung in Düsseldorf, dem Goethe-Institut Tel Aviv und den Artists’ Studios, Tel Aviv.
         

  • Stiftungsinitiativen
    • Nam June Paik Award

      Mit diesem Preis zeichnen wir die Arbeit internationaler Künstler:innen mit experimentellem Ansatz und medienbasierten Konzepten aus.

      Die mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung ist nach dem vor allem für Nordrhein-Westfalen wegweisenden Medienkünstler der ersten Stunde, Nam June Paik, benannt und wurde erstmals 2002 vergeben.
       

    • Residence NRW+

      Stipendien für bildende Künstler:innen und Kurator:innen an einem gemeinsamen Residenzort in Münster

      Gemeinsam mit dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen fördert die Kunststiftung NRW die Residence NRW+, ein Programm für besonders begabte junge Kunstschaffende der bildenden Gegenwartskunst.
      Pro Jahr werden vier zwölfmonatige Stipendien in Höhe von 1.450 Euro für bildende Künstler:innen bis zu einem Alter von 40 Jahren aus NRW oder mit NRW-Bezug sowie vier sechsmonatige Stipendien für Kurator:innen vergeben. Der Residenzort bietet Räume zum Leben und Arbeiten. Über die Stipendienvergabe entscheiden wechselnde Fachgremien.

      Zum Bewerbungsverfahren:
      https://www.residencenrw.de/de/ausschreibung/

       

    • Publikationen

      Im Bereich der Visuellen Kunst fungiert die Kunststiftung NRW als Herausgeberin oder Initiatorin von Publikationen, die initiativ entstehen oder unmittelbar aus Förderprojekten der Stiftung hervorgehen.

  • Sonderfonds 2021

    Um die Folgen der Pandemie aufzufangen, hatte die Kunststiftung NRW das Unterstützungsprogramm "Künste bewegen – Sonderfonds 2021" aufgelegt. Aufgrund der hohen Nachfrage sind dessen Mittel bereits erschöpft.
    Vielen Dank für Ihr Verständnis.